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Alles, was nahe ist, ist wichtig

CO2-Belastung durch lange Transportwege
Ausgabe: 2010/04, essen, Region, Transport, Produkte, Konsumenten, saisonal, Ernährung, Brunner, SPAR, Berkmann, Winkler, Winklermarkt
27.01.2010
- Ernst Gansinger
Einladung beim Winkler Markt Auhof
Gem?se, Gem?seabteilung, Sellerie, Zwiebel, Kraut, Lauch
Einladung beim Winkler Markt Auhof Gem?se, Gem?seabteilung, Sellerie, Zwiebel, Kraut, Lauch
© honorarpflichtig, Ernst Gansinger


Wer Weintrauben aus Chile kauft oder Äpfel aus China, trägt wegen der langen Transportwege um ein Vielfaches mehr zur CO2-Belastung bei als jemand, der Obst und Gemüse aus der Region kauft und auch darauf Bedacht nimmt, wann diese Saison haben. Ähnliches gilt für Fisch oder Fleisch, für alle Nahrungsmittel. Viele Supermarktketten tragen einem erstarkenden Regionalitäts-Bewusstsein Rechnung und führen verstärkt Produkte aus der Region.

Ist es das, was wir wirklich wollen: Lebensmittel um die halbe Welt zu transportieren, wenn sie auch in unserer unmittelbaren Umgebung erzeugt werden?“, fragt die Landesbäuerin und Abgeordnete zum oberösterreichischen Landtag, Annemarie Brunner. Sie verweist darauf, dass wegen der langen Transportwege die CO2-Belastung zum Beispiel bei Weintrauben aus Chile 800-mal über jener von inländischen Trauben liegt.

Verändertes Verhalten der Konsumenten. Im Winkler Markt, einem Familienbetrieb mit drei Standorten – in Altenberg, Gramastetten und Linz-Auhof –, wird seit Jahren Regionalität besonders ernst genommen. Peter Winkler, für den Verkauf und die Mitarbeter zuständig, sagt, dass sich ein Wandel im Verhalten der Konsumenten vollziehe. War früher Bio der Megatrend, geht es heute um Gesundheit, Nachhaltigkeit, Heimat. „Regionalität ist für uns wesentlich wichtiger als Bio. Alles, was nahe ist, ist uns wichtig, und nicht nur uns, auch der Kundschaft.“

Regional und saisonal gehören zusammen. Freilich, auch im WinklerMarkt liegen Fisolen aus Ägypten neben Kartoffeln aus dem Mühlviertel, Melanzani aus Spanien neben dem Tompinambur aus Bad Zell, Granatäpfel aus der Türkei neben dem Boskop oder Topaz aus dem Mühlviertel. Die Agrarmarkt Austria – AMA – hat untersuchen lassen, was für Konsumenten für die Kaufentscheidung wichtig ist. Am häufigsten wurde die österreichische Herkunft genannt, gefolgt von Qualität, Regionalität, Frische, Preis, bio ... Nur an letzter Stelle der Kaufgründe liegt die Saisonalität. Regional – saisonal – bio ist noch wenig als zusammengehörig im Bewusstsein der Konsumenten, auch wenn Landesrat Dr. Josef Stockinger betont: „Regionalität und Saisonalität müssen zusammenpassen.“

Guter Nachfrage-Mangel. Die Kundschaft will Milch aus der Region, aber auch heurige Kartoffel aus Zypern. Kein Lebensmittelmarkt kann an der Nachfrage vorbei anbieten. Bananen, das Lieblings-Obst der Österreicher/innen, sind schon längst ganzjährig in den Regalen, auch Orangen, Tomaten ... Selbst der heimische Chinakohl, ein Wintergemüse, kann das ganze Jahr über gekauft werden, selbst im WinklerMarkt, der um regionale Lieferanten bemüht ist und etwa 90 Prozent der Frisch-Fleisch-Produkte von einem Mühlviertler Fleischhauer bezieht. „Wenn ich Erdbeeren im Winter nicht führe, verliere ich Kundschaft“, beschreibt Peter Winkler ein Dilemma. „Ich kann nicht sagen: Ich bin so regional, ich führe keine Kokosnuss.“ Dennnoch fehlen z.B. Erdbeeren im Winter meist im Regal. Zu Weihnachten gab es sie. Aber sie wurden wenig gekauft. „Das ist uns nicht z’wider. Unsere Kunden sind sensibler und fordern nicht mehr alles ein.“

Ernährungs-Wissen vermitteln. Ein Problem ist, dass viele Menschen heute gar nicht mehr wissen, was ein Obst, ein Gemüse der Saison ist. Zum Beispiel das Wintergemüse Chinakohl. Information ist daher wichtig. Seminarbäuerinnen leisten hier seit Jahren Bewusstseinbildung (Kochseminare, Info-Stände ...). Annemarie Brunner setzt auf die Konsumenten. Sie sollen darauf achten, woher ein Produkt kommt. Das AMA-Gütesiegel garantiere österreichische Herkunft. Landesrat Stockinger regt an, dieses Gütesiegel größer anzubringen. Er freut sich, dass seit Jänner 2010 das AMA-Gütesiegel bei Wurst anzeigt, dass zu hundert Prozent heimisches Fleisch verarbeitet ist. Annemarie Brunner sieht noch weitere positive Zeichen. So liegt derzeit ein Initiativantrag im Parlament, wonach auch in der Gastronomie Herkunftsnachweise angebracht werden müssen.

- Die Umweltberatung hat ein Info-Plakat „Gemüse und Obst der Saison“ erstellt: www.umweltberatung.at





Landesbäuerin Annemarie Brunner: Der Konsument entscheidet, was im Geschäft liegt. Wir müssen erreichen, dass in die Kennzeichnung der Produkte auch die CO2-Belastung aufgenommen wird.

SPAR-Sprecherin Nicole Berkmann:Wir geben im gesamten Sortiment österreichischen Produkten den Vorzug. Trotzdem müssen wir natürlich ein weltoffenes Sortiment anbieten. Obst und Gemüse ist in Österreich ein sehr saisonales Sortiment, darum schwanken die Anteile Inland/Ausland stark. Übers Jahr gesehen kommen mehr als 50 Prozent der Produkte aus dem Inland. Einen sehr großen Anteil machen Zitrusfrüchte und Bananen aus. Zudem haben wir in diesem Bereich viele Kooperationen mit regionalen Bauern und Verbänden.

Peter Winkler, WinklerMarkt: Vor zwei Jahren haben wir 17 verschiedene Butter-Sorten geführt, darunter irische. Das muss nicht sein.
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