In Budweis leben junge Christen unbelastet von den Schatten der Vergangenheit.
„Hier habe ich meine Freunde“, erzählt Lenka. Zur Jugendmesse bei den Salesianern am Stadtrand von Budweis kommt sie regelmäßig – ganz aus freien Stücken. Wer in Tschechien seinen Glauben zeigt und lebt, tut das aus eigener Entscheidung. Die Hälfte der Bevölkerung gehört in Tschechien keiner Religionsgemeinschaft an. Von der anderen Hälfte ist wieder die Hälfte katholisch. Die Zeit ist noch nicht lange her, da wurden Kinder – auf Anweisung der Lehrerin – in Schulen ausgelacht, wenn sie am Sonntag in die Kirche gingen.
Im Jugendzentrum. In die Salesianerkirche in der Nähe der Universität sind an diesem trüben Dienstagabend etwa 80 Jugendliche gekommen. „Sonst sind es mehr, aber jetzt ist bereits Prüfungszeit“, erzählt Milan Mihulec. Das Jugendzentrum bietet für verschiedene Altersgruppen Programme, von Kleinkindern bis zu den Studierenden. Die fünf Patres, die hier leben, wohnen in einer Art Wohngemeinschaft unter sehr bescheidenen Verhältnissen. Sie besorgen auch den Haushalt selbst.
Glauben in der Minderheit. Marie war erst zwei Jahre alt, als der Eiserne Vorhang 1989 durchtrennt wurde. Sie studiert Deutsch und Geschichte. „Ich komme aus einer christlichen Familie“, sagt sie. Über die Zeit unter dem Kommunismus wird daheim nur wenig gesprochen. Man musste vorsichtig sein früher, und die alten Ängste scheinen immer noch da zu sein. Für Marie und auch für Paula ist Glaube selbstverständlich. Damit sind sie klar in der Minderheit – und es braucht manchmal schon Mut, sich dazu zu bekennen. Doch die Zeit, als man berufliche Nachteile in Kauf nehmen musste, wenn man bei der Kirche mitmachte, ist vorbei. Lenka singt im Chor. 15 Jugendliche sorgen jeden Dienstag für die Musik. Und nachher treffen sich die meisten Messbesucher/innen im Pfarrsaal. Da wird Tee getrunken, Brötchen sind hergerichtet. Nach der Jause treffen sie sich in Gruppen. Bis zehn am Abend gibt es Programm. „Eigentlich beginnen wir erst jetzt, uns auf die Situation nach der Wende einzustellen“, sagt der Generalvikar von Budweis, Adolf Pintir. Die Leute in den Pfarren müssen selbst für ihre Kirche sorgen. Priester gibt es noch viel weniger als in Österreich. Pintir war früher für fünf Pfarren zuständig. Nur einmal im Monat gab es in jeder Pfarre die Messe, ansonsten kamen die Leute selbst zum Gebet zusammen. Aber dazu musste er sie anregen und ermutigen. Sich darauf einzustellen, dass nichts mehr wird, wie es früher war, fällt älteren Menschen schwer. In der Diözese Budweis beginnt die Kirche allmählich neu zu wachsen – irgendwie wieder von vorne. Im Jugendzentrum in Budweis hat es schon angefangen.