Ein US-Raumfahrer hat sich am 23. Jänner erstmals über eine „Twitter-Nachricht“ aus dem Weltraum gemeldet. Dieser Internetdienst erlaubt, Meldungen in einer Länge von höchstens 140 Zeichen zu verbreiten. Selbst Papst Benedikt XVI. ist angetan. Das Internet böte, sagt er in seinem Wort zum diesjährigen Mediensonntag, seelsorgerisch unbegrenzte Möglichkeiten. Doch ist der viel- und raschinformierte Mensch auch schon der gut informierte Mensch? Die neuen Entwicklungen in der Kommunikationstechnik haben Schattenseiten. Gerade eine Religion, die an die Auferstehung des Fleisches, also an die Bedeutung leibhaftiger Anwesenheit glaubt, wird skeptisch sein. Wer ständig mit der großen weiten Welt in Verbindung steht, läuft Gefahr, die kleine Welt, vor allem den Nächsten, zu übersehen. Der Schüler, der unter der Bank seine SMS abliest oder versendet, ist mit seiner Aufmerksamkeit eben doch nicht da. Wie würde der Evangelist Matthäus sein Evangelium heute formulieren: Ich war krank – und du hast mir eine SMS geschickt? Das klänge eher nach Ausrede. Gerade weil es so rasch und einfach geht, schwingt da doch auch die Nachricht mit: Eigentlich habe ich für dich keine Zeit.