Tag zehn nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti. Thomas Preindl berichtet im Telefonat mit der Kirchenzeitung von der täglichen Herausforderung, die eingelangte Hilfe möglichst rasch zu den Menschen zu bringen.
„Die Lage ist noch immer ziemlich angespannt, aber die Hilfe funktioniert immer besser – und die Menschen merken das auch“, berichtet Thomas Preindl. Während unseres Telefonates ist es in Port-au-Prince früher Morgen und vor dem Caritas-Katastrophenhelfer liegt ein langer Tag. „Unsere größte Herausforderung ist derzeit, dass wir die Verteilung der notwendigsten Hilfsgüter an die notleidenden Menschen in den Griff bekommen. Der Nachschub über den Flughafen, über den Landweg und zunehmend auch über den Hafen funktioniert bereits relativ gut. Aber wir haben immer noch Gegenden, wo keine Hilfe hingekommen ist.“
Unter die Haut. Thomas Preindl hat Erfahrung bei der Organisation von Hilfe in Katastrophengebieten. Er war 2005 nach dem großen Erdbeben in Kashmir (Pakistan) im Einsatz, ein Jahr später während des Krieges im Libanon und 2007 nach dem großen Wirbelsturm in Bangladesh. Aber so viel Zerstörung, so viel Not und Verzweiflung um das tägliche Überleben auf engstem Raum habe er noch nicht erlebt. „Das geht einem schon unter die Haut“, sagt er. „Und mich wundert immer wieder, dass die Leute, trotz mancher Verzweiflungstat, so diszipliniert und geduldig sind.“ Er sieht es auch als Verantwortung der Helfer, „dass wir die Verteilung so gut organisieren, dass es zu keinen gröberen Zwischenfällen kommt. Bei der Caritas kommt uns dabei zugute, dass wir nicht nur auf die Unterstützung von ,Blauhelmen‘ der UNO oder US-Soldaten angewiesen sind, sondern uns auf einheimische Kolleg/innen stützen können. Die kennen die eigenen Leute und wissen am besten, wie man mit ihnen umgeht.“
Jeden Tag besser. „Das Schwierigste bei diesem Einsatz ist es, täglich die Logistik aufzubauen“, erzählt Preindl. „Man muss Lastwagen organisieren, man muss schauen, über welche Routen man am besten und sichersten die zugeteilten Sektoren erreichen kann, man muss lokale Caritashelfer anheuern, die bei den vorgesehenen Ausgabestellen alles vorbereiten und bei der Verteilung der Hilfsgüter mithelfen, und man braucht immer wieder Leute, die in unseren Lagerhäusern die eingetroffenen Güter in familiengerechte Hilfsrationen umpacken.“ Rund 50 erfahrene internationale Helfer/innen unterstützen die Caritas Haiti, „damit wir täglich Tausende Menschen mit dem Lebensnotwendigsten versorgen können. Und dank des Nachschubs aus Europa und den USA und dank der guten lokalen Struktur und des bewundernswerten Einsatzes der Einheimischen, die selber soviel mitgemacht haben, gelingt uns das jeden Tag besser“, freut sich Preindl.
- Caritas-Spenden: PSK 7.700.004, BLZ 60.000
Zur Sache
Die Hoffnung keimt
Tausende Menschen nahmen am vergangenen Samstag am Begräbnis von Erzbischof Joseph Serge Miot teil. Er war in Port-au-Prince gemeinsam mit seinem Generalvikar Charles Benoit beim Erdbeben ums Leben gekommen. Sein Lebensmotto „Lass dich nicht bedienen, sondern diene“ praktizieren auch viele Christ/innen auf Haiti in diesen Tagen. In einem ORF-Gespräch zeigte sich die Caritas- Katastrophenhelferin Sabine Wartha tief beeindruckt, wie sich in manchen Pfarren die Menschen organisieren und sich gegenseitig unterstützen. Und als sie acht Tage nach dem Beben erstmals mit einem Hilfstransport die Stadt Leogane erreichte, „haben uns 20 Frauen aus der Pfarre geholfen, die Hilfsgüter zu verteilen. Sie haben selber Schreckliches erlebt, Angehörige verloren, und trotzdem zeigen sie, wie aus gelebter Solidarität neue Hoffnung keimt.“