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Menschen mit Bodenhaftung

5. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C), 7. Februar 2010
Ausgabe: 2010/05, Sonntag, Menschen mit Bodenhaftung, Günther Kroiss, Oberwart, Menschenfischer, Wort zum Sonntag, Evangelium, Lesung, 5. Sonntag im Jahreskreis, Jesaja, Almut Haneberg, Segenswunsch, Gottes Angesicht, Rechnitz, Jünger, Petrus,
03.02.2010
Jesaja war nicht mit modernsten Kommunikationsmitteln ausgestattet, Paulus war nicht topp gestylt und Petrus war nicht unfehlbar. Die Menschenfischer der Bibel können in diesen Punkten mit den „modernen Menschenfischern“ nicht mithalten. Um eigene Fehler und Sünden zu wissen, sie auch zuzugeben und um Verzeihung zu bitten ist ein wichtiger Unterschied. Eben Bodenhaftung als Mensch bewahren. Kirche war und ist halt einfach menschlich – und doch auch heilig.


1. Lesung


Jes 6, 1–2a. 3–8

Im Todesjahr des Königs Usija sah ich den Herrn. Er saß auf einem hohen und erhabenen Thron. Der Saum seines Gewandes füllte den Tempel aus. Serafim standen über ihm. [. . .] Sie riefen einander zu: Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heere. Von seiner Herrlichkeit ist die ganze Erde erfüllt. Die Türschwellen bebten bei ihrem lauten Ruf, und der Tempel füllte sich mit Rauch. Da sagte ich: Weh mir, ich bin verloren. Denn ich bin ein Mann mit unreinen Lippen und lebe mitten in einem Volk mit unreinen Lippen, und meine Augen haben den König, den Herrn der Heere, gesehen. Da flog einer der Serafim zu mir; er trug in seiner Hand eine glühende Kohle, die er mit einer Zange vom Altar genommen hatte. Er berührte damit meinen Mund und sagte: Das hier hat deine Lippen berührt: Deine Schuld ist getilgt, deine Sünde gesühnt. Danach hörte ich die Stimme des Herrn, der sagte: Wen soll ich senden? Wer wird für uns gehen? Ich antwortete: Hier bin ich, sende mich!


2. Lesung


1 Kor 15, 1–11

Ich erinnere euch an das Evangelium, das ich euch verkündet habe. Ihr habt es angenommen; es ist der Grund, auf dem ihr steht. Durch dieses Evangelium werdet ihr gerettet, wenn ihr an dem Wortlaut festhaltet, den ich euch verkündet habe. Oder habt ihr den Glauben vielleicht unüberlegt angenommen? Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf. Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen. Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln. Als Letztem von allen erschien er auch mir, dem Unerwarteten, der „Missgeburt“. Denn ich bin der Geringste von den Aposteln; ich bin nicht wert, Apostel genannt zu werden, weil ich die Kirche Gottes verfolgt habe. Doch durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin, und sein gnädiges Handeln an mir ist nicht ohne Wirkung geblieben. Mehr als sie alle habe ich mich abgemüht – nicht ich, sondern die Gnade Gottes zusammen mit mir. Ob nun ich verkündige oder die anderen: das ist unsere Botschaft, und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt.


Evangelium


Lk 5, 1–11

Als Jesus am Ufer des Sees Gennesaret stand, drängte sich das Volk um ihn und wollte das Wort Gottes hören. Da sah er zwei Boote am Ufer liegen. Die Fischer waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Jesus stieg in das Boot, das dem Simon gehörte, und bat ihn, ein Stück weit vom Land wegzufahren. Dann setzte er sich und lehrte das Volk vom Boot aus. Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus! Simon antwortete ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen. Das taten sie, und sie fingen eine so große Menge Fische, dass ihre Netze zu reißen drohten. Deshalb winkten sie ihren Gefährten im anderen Boot, sie sollten kommen und ihnen helfen. Sie kamen, und gemeinsam füllten sie beide Boote bis zum Rand, so dass sie fast untergingen. Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sagte: Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder. Denn er und alle seine Begleiter waren erstaunt und erschrocken, weil sie so viele Fische gefangen hatten; ebenso ging es Jakobus und Johannes, den Söhnen des Zebedäus, die mit Simon zusammen arbeiteten. Da sagte Jesus zu Simon: Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen. Und sie zogen die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten ihm nach.



Segenswunsch


[. . .] Sein Angesicht gehe mit
und lehre dir den Blick fürs Leben
hinter die Dinge in die Schöpfung
und den Menschen frei ins Gesicht schauend
geh vorwärts behutsam und stark

[. . .] Sein Angesicht gehe mit
und schaue gütig und voll Wohlwollen auf dich
Gott segne und behüte deine Wege
dein Arbeiten dein Beten dein Entscheiden dein Reden
all dein Denken und dein Lieben

damit dein Leben reich und fruchtbar werde
und du am Ende deines Weges bereit bist
Gottes Angesicht zu sehen

Almut Haneberg



Wort zum Sonntag


Über Unterschiede bei den Menschenfischern

Menschenfischer werden heute ganz gut bezahlt. Ich denke nicht an die Frauen und Männer im kirchlichen Dienst, sondern an jene Fischer, die in Werbung, in Versicherungen und in Banken versuchen, uns zu ködern und zu binden. Über Telefon werden Menschen geangelt, um das eine oder andere Abo zu kaufen. Versicherungsagenten sollen in ihrer eigenen Verwandtschaft und im Freundeskreis den einen oder anderen Vertrag an Land ziehen. Auf dem Meer der Meinungen fahren sie mit ihren bunten und lauten Booten, sind mit den modernsten Kommunikationsmitteln ausgestattet, topp gestylt und gelten als unfehlbar.
Ganz anders der Typus „Menschenfischer“ in den Texten dieses Sonntags. Da werden uns gleich drei sündhafte Menschen präsentiert, die sich nicht scheuen, ihre Fehler und Sünden zu bekennen. Jesaja bezeichnet sich selbst als einen Mann mit unreinen Lippen. Paulus bekennt, dass er mit seiner Christenverfolgung viel Leid zu verantworten hat. Er nennt sich „Missgeburt“.
Petrus springt vor den Augen Jesu in den See und bekennt sich selbst als Sünder. Wir Christen wissen um unsere Fehler und Sünden und haben Mut, unsere Fehler einzugestehen und um Verzeihung zu bitten. Wir wissen, dass die Kirche nicht die perfekte Gemeinschaft ist und auch nie war. Die Sündengeschichten in der Kirchengeschichte holen uns in Diskussionen immer wieder ein und belasten so manches Gespräch über Kirche. Die Kirche der Sünder ist ganz einfach menschlich und doch wiederum heilig, weil sie die Kraft der Versöhnung und Verzeihung hat. Unsere eigenen Sünden und die Sünden der Kirche dürfen nicht vertuscht werden! Wir dürfen aber nicht beim Sündhaften stehen bleiben, denn es ist uns in Jesus Christus eine ganz andere Perspektive geboten.

Zum Weiterdenken

Die Jünger lassen „alles“ zurück, um Jesus nachzufolgen. Sie wollen nicht „alles“ um jeden Preis und auch nicht sofort. Darüber nachzudenken, was es „alles“ im Leben gibt und was es noch „alles“ zu tun und erleben gibt lohnt sich. Auch die Frage: Brauch ich „alles“?


Günther Kroiss
, Pfarrmoderator im Pfarrverband Rechnitz und Jugendpfarrer für die Region Oberwart.

Den Autor erreichen Sie unter:sonntag@kirchenzeitung.at
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