Feldweg [ (c) www.BilderBox.com, Erwin Wodicka, Siedlerzeile 3, A-4062 Thening, Tel. + 43 676 5103678.Verwendung nur gegen HONORAR, BELEG,URHEBERVERMERK und den AGBs auf bilderbox.com](in an im auf aus als and beim mit einer einem eines * & der die d
Ingrid Penner vom Bibelwerk in Linz hat Bibel und Märchen in Verbindung gebracht und überraschende Ähnlichkeiten entdeckt.
„Märchen haben mich immer schon fasziniert“, erzählt Ingrid Penner vom Bibelwerk in Linz. In der Beschäftigung mit Märchen hat sie Ähnlichkeiten zur Bibel gefunden. Beides sind keine historischen Berichte, sondern ursprünglich mündliche Erzählungen, in denen es um Erfahrungen geht. In beiden Texten sind Erfahrungen von Menschen verdichtet enthalten, zum Teil sogar die gleichen. Bibeltexte haben den Weg zu Gott zum Thema, Märchen thematisieren den Weg des Menschen zu sich selbst. „Und wenn ich sage, in meinem Inneren erfahre ich Gott, dann ist das der Punkt, in dem das zusammenkommt“, so Ingrid Penner. In der Bibel hat es die Unterscheidung zwischen „weltlich“ und „göttlich“ oder „spirituell“ nicht gegeben.
Gleiche Symbole. Teilweise verwenden beide Texte die gleiche Symbolik, zum Beispiel Wege: Wege, die gegangen werden, die Helden für ihre Entwicklung brauchen. In der Bibel ist das etwa Abraham oder das ganze Volk Israel. Auch Wasser und Brunnen kommen in beiden Texten vor – oder Tiere, die sprechen: in der Bileam-Geschichte, wo der Esel schon mehr weiß als Bileam selbst (Num 22,22–30). Im Buch Tobit muss Tobias den großen Fisch bezwingen. Dort kommt der Engel Rafael als Helfer vor. Auch in vielen Märchen gibt es Helfer wie Feen oder Zwerge. In ihrer Beschäftigung mit Märchen sind Ingrid Penner ständig parallele Bibeltexte eingefallen. Ein Beispiel dafür ist die Geschichte, in der ein Mann versprechen muss, das Erste, was ihm bei seiner Rückkehr zu Hause begegnet, herzugeben – in der Bibel als Brandopfer für den Herrn (Richter 11), im Märchen an ein Untier. In beiden Geschichten ist es die Tochter – in der Bibel die einzige, im Märchen die jüngste.
Wahrheiten für das Leben. Für manche mag es befremdlich sein, Bibel und Märchen zu vergleichen. Wenn jemand sagt: „Erzähl keine Märchen“, will er damit ausdrücken, dass eine Geschichte nicht wahr sein kann und deshalb nichts wert ist. „In diesem Punkt können wir von Kindern lernen“, meint Ingrid Penner. Sie sind noch eher in der Lage, Symbolik zu erfassen. Als Jugendliche und Erwachsene haben manche Probleme mit der Bibel, weil sie den ganzen Text ablehnen, wenn sie Teile davon nicht als „wahr“ erkennen können. Ingrid Penner sagt dann: „Die sind schon wahr, aber auf einer anderen Ebene.“ Sie will nicht mit Märchen die Bibel erklären, aber dazu anregen, auch bei der Bibel zu fragen: „Was bedeuten die Texte für mein Leben?“
Die Bibel erzählen. „Wir lernen als Kinder, dass nur das Messbare und Zählbare zählt“, so Penner. Sichtbarmachen, z.B. Verfilmungen, schränkt für Penner sowohl die Bibel als auch Märchen ein. „Lesen und Erzählen dagegen gibt Raum“, ist sie überzeugt. Wer etwa dieBibel erzählen will, muss sie selbst gut kennen. „Oder ich erzähle, was mich selbst bewegt, was an meine Geschichte andockt“, so Penner. Bibel und Märchen haben auch eine gemeinsame „Bedrohung“: dass sie im Erzählen erzieherisch wirken sollen oder abgeflacht werden. Wenn zum Beispiel der Froschkönig nur mehr geküsst und nicht mehr an die Wand geschmissen wird, obwohl gerade dieses Sterben und das neue Leben als Prinz eine tiefe Symbolik hat. „Und das passiert auch mit Bibeltexten“, sagt Penner, „weil man das nicht für zumutbar hält. Aber damit wird auch ein großes Stück der Realität geleugnet.“
Lesen und erzählen. Ingrid Penner regt an, wie Märchen zu lesen sind und wie man Kindern die Bibel näher bringen kann:
- Auch als Erwachsener Märchen lesen. Was löst das in mir aus? Welches war als Kind mein Lieblingsmärchen, und was löst das in mir aus? Wenn ich es mit den Augen eines Kindes lese: Was von dem Märchen finde ich in meinem Leben wieder? Welche Symbolik hat mich angesprochen? Zum Beispiel: Was verbinde ich mit einem König, einer Königin – Eigenschaften, Werte, und was hat das mit mir zu tun?
- Wie Märchen ist die Bibel kein Kindertext, aber man kann Kinder hinführen – zu den Erfahrungen, die dahinterstecken. Etwa wenn Petrus Angst hat, dass er untergeht, kann man fragen: „Was macht dir Angst?“ Wenn ich ängstlich bin und irgendwo darüberbalanciere, geht das anders, als wenn ich sicher bin. Oder wenn ich etwas angestellt habe, und Papa nimmt mich in den Arm, statt mich zu schimpfen – das Motiv vom verlorenen Sohn. „Die Bibel sagt nicht: Erst musst du bereuen und dann bist du aufgenommen, sondern erst wirst du aufgenommen!“, so Ingrid Penner.