Kunst in der Krypta erwartet die Besucher/innen der Ursulinenkirche in Linz alljährlich zum Beginn der Fastenzeit. Den „Aschermittwoch mit Künstlern und Künstlerinnen“ gestaltet heuer Judith Huemer aus Münzkirchen.
Die Linzer Ursulinenkirche tritt als Gemeindekirche des Forums St. Severin seit mehr als 20 Jahren mit einem spannenden kulturellen Programm an die Öffentlichkeit. Unter dem Leitthema „Memento mori“ werden für die Dauer der Fastenzeit Kunstschaffende eingeladen, ein Werk in der Krypta der Kirche zu präsentieren: Für die Krypta der Ursulinenkirche hat die in Wien lebende Künstlerin eine situationsbezogene neue Arbeit mit dem Titel „Goldstück“ geschaffen. Judith Huemer legt ihren Schwerpunkt auf gesellschaftsrelevante Themen. Ihre künstlerische Praxis ist vielschichtig. Performance, Video, Fotografie und Installation zählen zu den wesentlichen Ausdrucksformen.
Textiles Merkmal: Ordenstracht. Anknüpfungspunkt für ihre Arbeit „Goldstück“ sind die Ursulinen, die bis 1968 – nahezu 300 Jahre lang – diesen Ort prägten, die Generationen von Schülerinnen geformt haben und deren Ordensmitglieder in der Krypta bestattet sind. Thematischer Ausgangspunkt der Installation ist das Leben der Ordensschwestern, das mit ihrem Eintritt in die Gemeinschaft von strengen Regeln und von einem hohen Maß an Uniformität bestimmt war. Ihre Ordenstracht trägt als äußeres, textiles Merkmal einer geschlossenen Gruppe diesen Verhaltens- und Lebenskodex auch nach außen.
Identitätsstiftung. Die Installation besteht aus einem Video, einer Fotoarbeit und Blumen, die bereits im Kirchenraum auf die Arbeit verweisen. Das Video in der Krypta zeigt zunächst eine Leiter. Die Künstlerin und Protagonistin tritt ins Bild und steigt mit Goldschuhen Stufe um Stufe die Leiter empor. Oben angekommen rollt sie eine Fahne in den österreichischen Nationalfarben Rot-Weiß-Rot aus. Im Aufbahrungsraum der Ordensschwestern ist die zweite Arbeit zu sehen: Sie zeigt Textilrollen unterschiedlicher Farbigkeit und Größe, die Rolle für Rolle an eine Wand gelehnt scheinen. Im übertragenen Sinne setzt sie der festen Zuschreibung und Normen eine Vielzahl bunter Rollen entgegen und regt die Betrachter/innen an, ihre eigenen Lebensentwürfe auszurollen, zu probieren und mitzutragen. Huemer unternimmt in ihrer Installation den Versuch, Elemente und Zeichen, die Gruppierungen definieren, in ihrer Bedeutung zu entkoppeln. Sie geht der wechselseitigen Prägung von Identität durch eigene Normen und durch Zuschreibungen von außen nach.
- Kunst in der Krypta, Eröffnung: Mi., 17. Feb., 20 Uhr, Dauer bis 2. April, Gespräch mit Judith Huemer: Sa., 13. März, 18 Uhr, Ursulinenkirche Linz.