Das Geschäft mit Blumen boomt – besonders am Valentinstag. Mit dem Kauf von zertifizierten, fair gehandelten Blumen können Händler und Konsumenten dazu beitragen, die Arbeitsbedingungen für Frauen auf den Blumenfarmen in Simbabwe zu verbessern.
Um halb sechs Uhr morgens macht sich Spiwe Chigwande gemeinsam mit ihren Kolleginnen an die Arbeit: Da werden Rosen gepflanzt, mit Pestiziden besprüht, geschnitten, kontrolliert, verpackt, sortiert und zum Transport fertiggemacht. Exportiert werden die Blumen aus Simbabwe vor allem nach Europa. Doch das einst florierende Geschäft mit Rosen und Sommerblumen – in den 80er Jahren zählte Simbabwe zu den weltweit größten Blumenexporteuren – ist im Laufe der Zeit drastisch zurückgegangen. Mit der Landreform, die von der Regierung im Jahr 2000 begann und bis heute andauert, wurden zahlreiche Besitzer von Blumenplantagen enteignet, etliche Blumenfarmen stillgelegt, Arbeiterinnen entlassen. Von 13.000 Beschäftigten in der Hoch-Zeit der Blumenindustrie Simbabwes sind nur rund 4000 Arbeiterinnen in derzeit über 60 Blumenbetrieben übriggeblieben. Unmenschliche Arbeitsbedingungen folgten.
Missstände. „Eines der größten Probleme hier auf der Farm ist beispielsweise die mangelnde Schutzbekleidung für die Arbeiterinnen beim Besprühen der Blumen mit Pflanzenschutzmitteln. So ist stets der Kontakt zu den giftigen Chemikalien gegeben“, erzählt Spiwe Chigwande. „Auch die einfachen Lehmhütten, in denen die Frauen mit ihren Familien auf dem Plantagengelände wohnen, bieten zu wenig Schutz und sind viel zu klein“, kritisiert die Simbabwierin. Weiters lassen sowohl die gesundheitliche Versorgung der Arbeiterinnen als auch die sanitären Anlagen auf den Farmen zu wünschen übrig. Auf Plantagen mit bis zu 94 Beschäftigten stehen oft nur zwei Plumpsklos zur Verfügung. Dazu kommt, dass der Lohn von 32,50 US-Dollar (etwa 24 Euro) pro Monat zu gering ist. „Ich habe vier Kinder und fünf Waisenkinder, die ich versorgen muss. Mit meinem Gehalt kann ich die Grundbedürfnisse für mich und meine Familie nur schwer decken“, sagt Chigwande.
Förderung. So hat sich die engagierte Afrikanerin an die Frauenorganisation „Kunzwana Women’s Association“ gewandt, die sich für gerechte Arbeitsbedingungen von simbabwischen Frauen auf den kommerziellen Blumenfarmen einsetzt. „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, Frauen wirtschaftlich, sozial, pädagogisch, gesundheitlich und kulturell zu fördern“, sagt Emma Mahlunge, Direktorin von Kunzwana. Das geschieht mittels Schulungen und Kursen, in denen die Frauen nicht nur über ihre Rechte, über Gesundheitsmaßnahmen, häusliche Krankenpflege oder Aids informiert werden, sondern wo sie auch Fertigkeiten erlernen wie etwa Nähen oder biologischer Gemüseanbau. Das bietet den Frauen die Möglichkeit, sich mit ihren selbstproduzierten Waren etwas dazuzuverdienen. Emma Mahlunge und Spiwe Chigwande sind derzeit in Österreich unterwegs, um über die fatale Situation der Blumenindustrie in ihrer Heimat zu berichten.
Gütesiegel. Seit vorigem Jahr kooperiert die Frauenorganisation „Kunzwana“ mit der internationalen Menschenrechtsorganisation FIAN. In Workshops werden den Blumenarbeiterinnen die Kriterien des Gütesiegels „Flower Label Program“ (FLP) näher gebracht. FLP-zertifizierte Blumen garantieren beispielsweise existenzsichernde Löhne, Gewerkschaftsfreiheit, Gleichbehandlung, Gesundheitsvorsorge und Verbot von Kinderarbeit. Mit der Kampagne „fair Flowers – mit Blumen für Menschenrechte“, die u. a. von FIAN, Südwind und der Volkshilfe getragen wird, soll der Kampf für gerechte Arbeitsbedingungen auf Blumenfarmen unterstützt werden. (siehe auch Kopf der Woche)
- Eine Liste der österreichischen Blumenhändler mit fair gehandelten Blumen gibt es unter: www.fian.at/3/333_handler.html