Mit einem von der Aktion Familienfasttag der Katholischen Frauenbewegung finanzierten Viehzuchtprojekt schaffen Frauen der benachteiligten indigenen Bevölkerung Nordostindiens bessere Lebensbedingungen für ihre Kinder.
Mit einem strahlenden Lachen kommt Joharna Hasta in ihre Frauengruppe. Die junge Inderin tritt in den Kreis der am Boden sitzenden Frauen, die sie aufgeregt und klatschend begrüßen. Es hat sich im Dorf rasch herumgesprochen, dass Joharna am lokalen Markt ein Schwein verkaufen konnte. Eine Frau als Geschäftsfrau, das ist in Paharpur, einem kleinen Dorf im Nordosten Indiens, eine kleine Sensation. Denn seit Jahrhunderten konzentrieren sich Adivasi-Frauen ausschließlich auf die Grundversorgung der Familie, was in diesem von bitterer Armut geprägten Gebiet in Nordostindien nicht leicht ist. Da dreht sich alles um die tägliche Sorge, wie der Hunger der Kinder gestillt werden kann. Schulbildung und außerhäusliche Erwerbstätigkeit für Frauen sind hier die Ausnahme. Doch diese alte Struktur bricht nun allmählich auf, nachdem das Don-Bosco-Institut, eine kirchliche Sozialeinrichtung zur Förderung von Jugendlichen und deren Familien, mit Unterstützung aus Österreich in Paharpur aktiv wurde. Das Institut setzt auf die in der internationalen Entwicklungsförderung erprobte Form von Selbsthilfegruppen, in denen die Bevölkerung befähigt wird, ihr Leben bewusst zu reflektieren und daraus selbst Schritte zur Verbesserung ihrer Situation zu setzen.
Gemeinsam die Situation verändern. Mit Spenden aus der Aktion Familienfasttag der Katholischen Frauenbewegung Österreichs bildet das Don-Bosco-Institut in Indien Fachleute aus, die in den Dörfern die Gründung von Selbsthilfegruppen für Frauen anregen und begleiten. Sie organisieren Bildungsangebote und Programme zur Sicherung der lokalen Nahrungsmittelversorgung. Besonders wichtig ist vor allem die Schaffung von Initiativen, die Frauen ein eigenes Einkommen erschließen. Das Don-Bosco-Institut startete mit finanzieller Unterstützung durch die Aktion Familienfasttag ein neues Modell. Die Frauen bekommen Schweine und Ziegen, erlernen deren Zucht und den Handel mit den Tieren, um höhere Erlöse als mit dem Verkauf von Gemüse zu erzielen. Die Zuchttiere gehören aber der Gemeinschaft, keiner einzelnen Familie. Die Frauengruppe kümmert sich gemeinsam um die Tiere. Auch der Verkaufserlös fließt in die Gemeinschaftskassa, aus der unter anderem auch Kleinstkredite an die einzelnen Gruppenmitglieder vergeben werden. Stolz erzählen die Frauen, dass sich auch schon Männer von ihnen Geld ausgeborgt haben.
Spar- und Kreditgemeinschaft. Die Frauengruppe ist auch eine von Fachleuten begleitete Spar- und Kreditgemeinschaft. Jedes Mitglied zahlt monatlich 10 bis 30 Indische Rupien auf ein gemeinsames Bankkonto ein. Dazu kommen die Erlöse aus der Viehzucht. Joharna Hasta übergibt deshalb freudestrahlend und voll Stolz 5000 Indische Rupien, die sie für ein einjähriges Schwein erzielen konnte, an die beiden Kassierinnen der Spargemeinschaft. Die beiden lernten die Grundregeln der Buchhaltung und Kassaführung, damit die Gruppe möglichst autonom über ihr Geld verfügen kann. So werden die Frauen durch das Spar- und Kreditsystem gestärkt und handlungsfähiger gemacht. Sie können nun ihren Kindern, vor allem auch den Töchtern, einen Schulbesuch finanzieren und ihnen damit einen Weg in eine bessere Zukunft erschließen. Rasch erkennen Joharna und ihre Freundinnen aber auch, dass Geld Machtgewinn bedeutet. Eine für Adivasifrauen völlig neue Erfahrung. Denn bisher konnten die Nachfahren/innen der indischen Urbevölkerung aufgrund fehlender Bildung und Ressourcen die ihnen gesetzlich zugesprochenen Plätze in der Kommunalpolitik nicht besetzen.
Leben ohne amtlichen Ausweis. Meist wissen die Adivasi gar nicht über ihre Rechte Bescheid, da sie häufig Analphabeten/innen sind. Die Mehrzahl verfügt nicht einmal über ein Dokument, das ihre Identität oder ihr Geburtsdatum belegen könnte. Auch der Ort der Geburt ist häufig unklar. Denn die Adivasi wurden häufig im Zuge von Dammbauten, Tier- und Nationalparks, Infrastrukturprojekten und Industriesiedlungen von ihrem rohstoffreichen Land, dass sie seit Urzeiten bewohnen, vertrieben. Trotz fehlendem Ausweis erkennen Einheimische sofort die Zugehörigkeit der Adivasi. Denn die Muster ihrer farbenprächtigen, selbst gewebten Saris bekunden die Stammeszugehörigkeit. Ihre Musik und ihre Tänze sowie die mündlich überlieferten Erzählungen schaffen Identität.
Voll Tatendrang. Joharna Hasta gehört zum Stamm der Shantal, einer der 698 ethnischen Gruppierungen, die in Indien amtlich als Scheduled Tribes registriert sind und zu den Adivasi gezählt werden. Darauf ist sie stolz. Sie leidet nicht unter ihrer Herkunft, träumt jedoch von einer besseren Zukunft. Mit ihrer Gruppe engagiert sie sich für den Bau eines neuen Brunnens, plädiert für eine bessere Einbindung der Frauen in die Dorfpolitik und fordert bessere Bildungsmöglichkeiten. Die junge Frau will lernen, ihr Leben selbst zu gestalten und nicht länger einer hoffnungslosen Situation ausgeliefert zu sein. Sie baut auf die Schweinezucht und auf die Zusammenarbeit mit anderen Frauen in der Gruppe. Joharna kann es nicht erwarten, das nächste Tier auf den Markt ins benachbarte Guwahati zu bringen.
Zur Sache
Teilen macht stark
Die Katholische Frauenbewegung Österreich (kfbö) lädt in der vorösterlichen Fastenzeit die Bevölkerung wieder zum Teilen mit Menschen in Not ein. Unter dem Motto „Teilen macht stark“ bittet sie im Rahmen der Aktion Familienfasttag um Spenden für Projekte, die Müttern in den armen Ländern des Südens helfen, ihre Notlage aus eigener Kraft nachhaltig selbst zu verbessern und ihren Kindern Zukunftschancen zu erschließen.
Gesammelt wird in den katholischen Pfarren bei Gottesdiensten oder bei den traditionsreichen Fastensuppenessen. Organisiert werden diese Fastensuppenessen, die ein Markenzeichen der 1958 zur Bekämpfung des Hungers gegründeten Aktion Familienfasttag wurden, von tausenden ehrenamtlich tätigen Mitarbeiterinnen. Aber auch österreichische Spitzenköche und Spitzenköchinnen unterstützen diese Solidaritätsaktion, indem sie Benefiz-Suppenessen gestalten und Rezepte zur Verfügung stellen, die als kleines Dankeschön an die Spender/innen verteilt werden. Spenden können aber auch direkt auf PSK 1,250.000 eingezahlt oder online über www.meinespende.at überwiesen werden. Erlagscheine liegen in allen Postämtern auf.