Wenn Gott wirklich allmächtig und gütig ist, dann . . . Wenn Gott mich wirklich liebt, dann . . . ja was? Versuchungen dieser und anderer Art durchzustehen, nicht an Gott und an sich selbst irre zu werden, kann zu folgender Erkenntnis führen: Gottes Liebe gibt die Kraft, die Welt anzunehmen, wie sie ist, und in ihr zum Besten wirken. Sie weckt den Mut, sich den Schattenseiten und Wüstenerfahrungen des Lebens zu stellen, und dennoch zu vertrauen.
Evangelium
Lk 4, 1–13
Erfüllt vom Heiligen Geist, verließ Jesus die Jordangegend. Darauf führte ihn der Geist vierzig Tage lang in der Wüste umher, und dabei wurde Jesus vom Teufel in Versuchung geführt. Die ganze Zeit über aß er nichts; als aber die vierzig Tage vorüber waren, hatte er Hunger. Da sagte der Teufel zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl diesem Stein, zu Brot zu werden. Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot. Da führte ihn der Teufel auf einen Berg hinauf und zeigte ihm in einem einzigen Augenblick alle Reiche der Erde. Und er sagte zu ihm: All die Macht und Herrlichkeit dieser Reiche will ich dir geben; denn sie sind mir überlassen, und ich gebe sie, wem ich will. Wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest, wird dir alles gehören. Jesus antwortete ihm: In der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen. Darauf führte ihn der Teufel nach Jerusalem, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich von hier hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich zu behüten und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. Da antwortete ihm Jesus: Die Schrift sagt: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen. Nach diesen Versuchungen ließ der Teufel für eine gewisse Zeit von ihm ab.
1. Lesung
Deut 26, 4–10
(Mose sprach zum Volk: Wenn du die ersten Erträge von den Früchten des Landes darbringst ) Dann soll der Priester den Korb aus deiner Hand entgegennehmen und ihn vor den Altar des Herrn, deines Gottes, stellen. Du aber sollst vor dem Herrn, deinem Gott, folgendes Bekenntnis ablegen: Mein Vater war ein heimatloser Aramäer. Er zog nach Ägypten, lebte dort als Fremder mit wenigen Leuten und wurde dort zu einem großen, mächtigen und zahlreichen Volk. Die Ägypter behandelten uns schlecht, machten uns rechtlos und legten uns harte Fronarbeit auf. Wir schrien zum Herrn, dem Gott unserer Väter, und der Herr hörte unser Schreien und sah unsere Rechtlosigkeit, unsere Arbeitslast und unsere Bedrängnis. Der Herr führte uns mit starker Hand und hoch erhobenem Arm, unter großem Schrecken, unter Zeichen und Wundern aus Ägypten, er brachte uns an diese Stätte und gab uns dieses Land, ein Land, in dem Milch und Honig fließen. Und siehe, nun bringe ich hier die ersten Erträge von den Früchten des Landes, das du mir gegeben hast, Herr. Wenn du den Korb vor den Herrn, deinen Gott, gestellt hast, sollst du dich vor dem Herrn, deinem Gott, niederwerfen.
2. Lesung
Röm 10, 8–13
Was sagt die Schrift? Das Wort ist dir nahe, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen. Gemeint ist das Wort des Glaubens, das wir verkündigen; denn wenn du mit deinem Mund bekennst: „Jesus ist der Herr“ und in deinem Herzen glaubst: „Gott hat ihn von den Toten auferweckt“, so wirst du gerettet werden. Wer mit dem Herzen glaubt und mit dem Mund bekennt, wird Gerechtigkeit und Heil erlangen. Denn die Schrift sagt: Wer an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen. Darin gibt es keinen Unterschied zwischen Juden und Griechen. Alle haben denselben Herrn; aus seinem Reichtum beschenkt er alle, die ihn anrufen. Denn jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.
Du in der Wüste
Hungrig, allein, ausgeliefert. Da sieht er seine Chance, der Versucher. Treibt dich hin und her. Wie mich, wenn ich hungrig, allein, ausgeliefert bin . . . Du hältst stand. Steine bleiben Steine. Ich weiß, sie werden kommen, die Versuchungen, immer wieder. Du, sei bei mir, damit ich wie du, Steine Steine sein lasse.
HILDEGARD NIES
Wort zum Sonntag
Wenn sich alles auf eine Frage zuspitzt
Vierzig Tage ohne Nahrung. So auf sich selbst zurückgeworfen, so am Ende seiner eigenen körperlichen Grenzen, so an der Grenze des Lebens spitzt sich alles auf die eine Frage zu: Wer ist der Mensch? Was braucht er? Wovon lebt er? Der Hunger Jesu sitzt tief. Wir wissen, dass hungrige und ausgebrannte Menschen nicht mehr klar denken können. Der Körper verlangt nach Nahrung, und auch die Gedanken richten sich darauf aus. Nach 40 Tagen in der Wüste ohne Nahrung wird Jesus vom Teufel versucht. Die Versuchung ist groß, den Menschen nur mehr bedürftig zu sehen, nur hilflos zu sehen. Den Menschen als ein Wesen zu sehen, das nur Brot will und sich nach ein bisschen Frieden sehnt, ist eine teuflische Versuchung! Denn es ist teuflisch zu meinen, das Brot allein habe es in sich, den Menschen satt zu machen. Viele Diktatoren und totalitäre Systeme reduzieren und reduzierten den Menschen auf Brot und ein bisschen Spiele. Damit nehmen sie die Würde des Menschen. „Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl diesem Stein, zu Brot zu werden“, verlangt der Teufel von Jesus. Jesus lehnt ab. Er könnte sein Bedürfnis nach Essen sofort stillen. Er weiß, dass er seine körperlichen Bedürfnisse nicht gleich befriedigen muss, sondern dass da Gott ist, der ihn liebt und ihm mehr schenkt. Der Mensch wird nicht hungriger, sondern wirklich erfüllter, wenn er sich von Gott nähren lässt. Jesus wird selbst zum Weizenkorn, das in die Erde fällt und so zum Brot für Menschen, die nach Sinn hungern. Er wird letztlich zu Brot, das sich selbst verschenkt. Er gibt nicht etwas, sondern er gibt sich selbst. Er gibt sich selbst für das Leben der Welt. So wird er zum Brot, von dem wir leben. Geteiltes Brot, Brot der Liebe, Gottes Brot! Davon lebt der Mensch.
Zum Weiterdenken
Die Fastenzeit lädt ein, das Verhältnis zu Gott zu intensivieren. Abnehmen und Sport betreiben sond kein Fasten im christlichen Sinn. Fasten bedeutet Beten und Teilen. Viele Fastenaktionen laden dazu ein.
Günther Kroiss, Pfarrmoderator im Pfarrverband Rechnitz und Jugendpfarrer für die Region Oberwart.