Entschlacken ist jetzt große Mode –„detoxen“ (entgiften) heißt das auf Neu-Deutsch in vielen aktuellen Büchern. Im Kirchenjahr hat Fasten seit jeher seinen fixen Platz und muss nicht neu erfunden werden.
„Wie eine Neugeburt mitten im Leben“, ist Fasten für Elisabeth Rabeder. Sie ist Fastenbegleiterin und Betriebsleiterin im Kneipp-Kurhaus der Marienschwestern vom Karmel in Bad Mühllacken. Mindestens fünf Tage lang verzichtet man beim Fasten auf feste Nahrung und ernährt sich flüssig, zum Beispiel mit frisch gepressten Säften undklaren Brühen oder mit Getreidesuppen oder Gemüsepüreesuppen. Dass feste Nahrung in flüssiger Form zu sich genommen wird, beeinträchtigt den Reinigungsprozess nicht, aber: „Die Suppe soll langsam und bewusst gelöffelt werden.“
Kein Kauen. Zur Vorbereitung soll man den Körper entschlacken. Das heißt, mindestens drei Tage vor dem Fasten keinen Zucker, also keine Mehlspeisen oder Schleckereien, und hauptsächlich Gemüse, Getreide, Obst oder Nudeln zu sich nehmen, weniger tierisches Eiweiß und Fette, keinen Alkohol und kein Koffein. „Fasten“ und „Entschlacken“ ist nicht dasselbe. Beim Fasten verzichtet man bewusst auf den Kauprozess. „Durch das Kauen werden die Magensäfte angeregt und man bekommt Hunger“, so die Fastenbegleiterin. Manche meinen, durch Kaugummikauen das Fasten zu unterstützen, was aber verkehrt ist. Wichtig beim Fasten und Entschlacken: viel trinken – Wasser und entschlackenden Kräutertee.
Fastenkrise. Wer vor dem Fasten entschlackt, kann dabei schon eine „Reinigungskrise“ erleben – zum Beispiel Kopfweh, weil der Kaffee wegbleibt, stattdessen kann man kreislaufanregende Tees trinken. „Entschlackungstage kann man auch zwischendurch machen. Sie sind eine gute Erfahrung, weil damit der Wert steigt für das, was auf dem Teller ist“, meint Elisabeth Rabeder. Entschlacken ist aber eher eine körperliche Angelegenheit. Fasten wirkt auf Körper, Geist und Seele.
Schlacken. Manche Ernährungswissenschaftler/innen sagen, dass es im Körper keine Schlacken gibt. Was der Körper nicht braucht, scheidet er aus. Elisabeth Rabeder denkt an die vielen vorgefertigten und fertigen Nahrungsprodukte, die wir zu uns nehmen, und hält dem entgegen: „Ich bin der Überzeugung, dass der Körper den ganzen Müll nicht loswird, auch weil viele dazu zu wenig Wasser trinken, sondern Limonaden, die wieder viel Zucker und chemische Stoffe enthalten.“ Auch viele Mediziner/innen sehen Fasten inzwischen als Gesundheitsvorsorge. Die Fastenbegleiterin erlebt immer wieder, wie gut es Menschen geht, die fasten, und sie selbst ist Fastenbegleiterin geworden, weil sie ihre positiven Erfahrungen weitergeben möchte.
Fastenhoch. Spätestens am dritten Fasttag stellt der Körper von Außen- auf Innenversorgung um. Das heißt, die eigenen Fettdepots werden „angeknabbert“. Viele erleben dabei ein „Fastenhoch“: „Sie könnten die ganze Welt umarmen und bekommen Energie und eine Klarheit, die sie im Alltag nicht kennen“, sagt Rabeder. „Das ist nicht immer gleich, aber ich habe das selbst auch erlebt, da kommt eine so große Dankbarkeit und ein innerer Friede, da spürt man Gott innerlich.“ Sie empfiehlt Fasten allen Gesunden, die spüren, dass sie das probieren möchten. Wer ständig Medikamente nehmen muss, ist ohnehin mit einem Arzt oder einer Ärztin in Kontakt und kann abklären, ob das ratsam ist oder nicht.
Gemeinsam fasten. Elisabeth Rabeder rät dringend, begleitet und in einer Gruppe zufasten. Alleine bricht man eher ab, wenn zum Beispiel am zweiten Tag der Kreislauf instabil ist und einem niemand sagt, dass das normal ist. Es kann auch sein, dass sich frühere Beschwerden bemerkbar machen – eine Gastritis oder eine alte Narbe. Weil die Reinigung auch geistig ist, bietet die Gruppe einen geschützten Raum, in dem dann schon einmal Tränen fließen dürfen. Außerdem ermutigt man sich gegenseitig. Das größte Geschenk ist für Elisabeth Rabeder, dass man durch das Fasten eine große Achtsamkeit und Bewusstsein bekommt für das, was sonst so „normal“ ist.
Ein Entschlackungstag
- Für den Morgen wahlweise: Frisch gepresster Obst- oder Gemüsesaft oder Rohkostteller oder Getreidefrühstück mit Früchten (gedünsteter Reis mit Äpfeln und Birnen; Bulgur, Couscous oder Hirse).
- Untertags: Suppe – püriert oder mit Stücken: zumBeispiel Kartoffel-Gemüsesuppe, Getreidesuppe mit Gemüse oder Krautsuppe. Von der Suppe am besten einen großen Topf zubereiten und den Tag über verteilt zu sich nehmen. Oder Kartoffeltag (etwa ein Kilo für den Tag) oder Reis-Tag – am Morgen mit Früchten, zu Mittag und abends Reis natur essen.
- Viel trinken: mindestens zwei Liter Wasser und entschlackenden Tee.
- Bewusst die Verdauung anregen: etwa mit einem Glas Sauerkrautsaft und einem Glas Wasser in der Früh zur Darmentleerung. Wer im Alltag Probleme mit der Verdauung hat, kann einen Einlauf machen.Auf Salz so weit wie möglich verzichten.
Dazu empfiehlt Elisabeth Rabeder eine Ölziehkur: Nach dem Aufstehen einen Schluck Sonnenblumenöl zehn Minuten lang durch die Zähne spülen und ausspucken. Das sammelt Stoffwechselgifte in der Mundhöhle und hilft, diese zu entsorgen.