Abnehmen. Das ist für viele ein angestrebtes Ziel gerade in der Fastenzeit – und auch sonst im Leben; ein Ziel, das gewiss der Gesundheit und dem Wohlbefinden zuträglich ist. Wer jedoch unter dem Gesichtspunkt des Glaubens fasten will, dessen Blick und Ziel gilt eher dem Wachsen und Zunehmen als dem Abnehmen. Es ist wie mit dem Apfelbaum, den man in den spätwinterlichen Tagen auslichtet und schneidet, damit er Fruchtholz ansetzen kann. Das wird sich sehr gut auf die zu erwartende Ernte auswirken. Nicht der Rückschnitt ist das Ziel, sondern das Wachsen und Gedeihen. Raum soll frei werden für das Wachsen. Nicht um ein Weniger, sondern um ein Mehr geht es. Ein Mehr an Menschlichkeit. Ein Mehr an Zuwendung. Ein Mehr an Herzlichkeit. Ein Mehr an Bereitschaft, sich für andere einzusetzen. Ein Mehr an Mut. Um sein eigenes Leben „fruchtbar“ zu machen wie einen Apfelbaum, bedarf es manchmal eines schmerzhaften „Einschnittes“. Das „mehret euch“ aus dem Anfangskapitel der Heiligen Schrift hat über die biologische Vermehrung hinaus Bedeutung. Selbst der und die Kinderlose kann ein Mehr aus seinem Leben schaffen.