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O Mensch, vergiss nicht

3. Fastensonntag (Lesejahr C), 7. März 2010
Ausgabe: 2010/09, 3. Fastensonntag, Franz Ackerl, Frater Franz Ackerl, Benediktiner, Kremsmünster, Wort zum Sonntag, Programm, Psalm 103, 1–4, 6–8.11, Lesung, Evangelium, Ich-bin-da, Name,
03.03.2010
An einen lieben Menschen denken . . . ihr/sein Name lässt Erinnerungen an Begegnungen und Gespräche hochkommen, Bilder tauchen auf, Gefühle. Der Name Gottes ist „Ich-bin-da“, und dieser Name meint eine Zusage, die unbedingt gilt. Im Alltag und in den besonderen Momenten, im sprichwörtlichen Freud’ und Leid – Gott ist da. „Ich-bin-da“ ist mit Dir.


Evangelium


Lk 13, 1–9

Zu dieser Zeit kamen einige Leute zu Jesus und berichteten ihm von den Galiläern, die Pilatus beim Opfern umbringen ließ, so dass sich ihr Blut mit dem ihrer Opfertiere vermischte. Da sagte er zu ihnen: Meint ihr, dass nur diese Galiläer Sünder waren, weil das mit ihnen geschehen ist, alle anderen Galiläer aber nicht? Nein, im Gegenteil:
Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt. Oder jene achtzehn Menschen, die beim Einsturz des Turms von Schiloach erschlagen wurden – meint ihr, dass nur sie Schuld auf sich geladen hatten, alle anderen Einwohner von Jerusalem aber nicht? Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt. Und er erzählte ihnen dieses Gleichnis:
Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum; und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er keine. Da sagte er zu seinem Weingärtner: Jetzt komme ich schon drei Jahre und sehe nach, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt, und finde nichts. Hau ihn um! Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen? Der Weingärtner erwiderte: Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen. Vielleicht trägt er doch noch Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen.


1. Lesung


Ex 3, 1–8a. 10. 13–15

Mose weidete die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro, des Priesters von Midian. Eines Tages trieb er das Vieh über die Steppe hinaus und kam zum Gottesberg Horeb. Dort erschien ihm der Engel des Herrn in einer Flamme, die aus einem Dornbusch emporschlug. Er schaute hin:
Da brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht. Mose sagte: Ich will dorthin gehen und mir die außergewöhnliche Erscheinung ansehen. Warum verbrennt denn der Dornbusch nicht? Als der Herr sah, dass Mose näher kam, um sich das anzusehen, rief Gott ihm aus dem Dornbusch zu: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich. Der Herr sagte: Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab, denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden. Dann fuhr er fort: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Da verhüllte Mose sein Gesicht, denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen. Der Herr sprach: Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen, und ihre laute Klage über ihre Antreiber habe ich gehört. Ich kenne ihr Leid. Ich bin herabgestiegen, um sie der Hand der Ägypter zu entreißen und aus jenem Land hinaufzuführen in ein schönes, weites Land, in ein Land, in dem Milch und Honig fließen. [. . .] Und jetzt geh! Ich sende dich zum Pharao. Führe mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten heraus! [. . .] Da sagte Mose zu Gott: Gut, ich werde also zu den Israeliten kommen und ihnen sagen: Der Gott eurer Väter und Mütter hat mich zu euch gesandt. Da werden sie mich fragen: Wie heißt er? Was soll ich ihnen darauf sagen? Da antwortete Gott dem Mose: Ich bin der „Ich-bin-da“. Und er fuhr fort: So sollst du zu den Israeliten sagen: Der „Ich-bin-da“ hat mich zu euch gesandt. Weiter sprach Gott zu Mose: So sag zu den Israeliten: Gott, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt. Das ist mein Name für immer, und so wird man mich nennen in allen Generationen.


2. Lesung


1 Kor 10, 1–6. 10–12





Lobe den Herrn, meine Seele,


und alles in mir seinen heiligen Namen!
Lobe den Herrn, meine Seele,
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:

der dir all deine Schuld vergibt
und all deine Gebrechen heilt,
der dein Leben vor dem Untergang rettet
und dich mit Huld und Erbarmen krönt.

Der Herr vollbringt Taten des Heiles,
Recht verschafft er allen Bedrängten.
Er hat Mose seine Wege kundgetan,
den Kindern Israels seine Werke.

Der Herr ist barmherzig und gnädig,
langmütig und reich an Güte.
So hoch der Himmel über der Erde ist,
so hoch ist seine Huld über denen, die ihn fürchten.

Psalm 103, 1–4. 6–8. 11



Wort zum Sonntag


Der Name ist Programm

Als ich vor drei Jahren zu unterrichten begonnen habe, kam ich in die dritte Klasse und hatte dort 25 junge Menschen, die ich nicht kannte, vor mir. Ich konnte sie höchstens vom Aussehen und vom Verhalten her beschreiben. Manche sind mir sofort aufgefallen, andere wiederum waren sehr ruhig. Bei einigen habe ich mir schnell den Namen gemerkt, bei der Mehrzahl brauchte ich länger, bis ich sie mit dem Namen ansprechen konnte. Heute sind diese Schüler/innen in der fünften Klasse und wenn ich in die Klasse komme, sind da nicht 25 Jugendliche, sondern da sitzen Gregor, Nina, Lukas, Sarah … Und wenn jemand einen dieser Namen nennt, dann entsteht vor meinem inneren Auge ein Bild, dann fällt mir eine Geschichte zu dieser Person ein, dann kann ich ihren Charakter beschreiben.
Eine ähnliche Erfahrung machte das Volk Israel.
Die Hebräer in Ägypten verehrten Gott. Die Lesung aus dem Buch Exodus berichtet, dass Gott sich dem Mose im brennenden Dornbusch offenbart und ihn zum Boten für das Volk Israel bestimmt. „Was soll ich ihnen sagen, wer mich gesandt hat?“, fragt Mose. „Ich bin der Ich-bin-da“, antwortet Gott. Damit beginnt ein neuer Abschnitt in der Geschichte Gottes mit den Menschen. Gott hat einen Namen. Der Dornbusch zeigt, dass Gott gerade in den Dornen unseres Lebens – in den Sorgen und Problemen des Alltags – gegenwärtig ist. Sein Name sagt uns, dass Er mitgeht. Und dieser Gott des Alten Testaments ist der Gott Jesu Christi, von dem im Gleichnis aus dem Evangelium berichtet wird, dass er dem Feigenbaum wieder eine neue Chance gibt. Auch wir sind aufgerufen, immer wieder umzukehren, neu zu beginnen. Auch wir haben unsere persönliche Geschichte mit Gott und können mit seinem Namen etwas verbinden: die unbedingte Zusage „Ich-bin-da“.

Zum Weiterdenken

Gott hat einen Namen – „Ich-bin-da“ – und er ruft jede/n von uns beim Namen. Denken Sie in der kommenden Woche einmal an einen lieben Menschen. Oder sprechen Sie den Namen Gottes bewusst aus. Schauen Sie, was das mit Ihnen macht, welche Bilder kommen, wie sich vielleicht etwas verändert.


Frater Franz Ackerl, Benediktiner von Kremsmünster. Religionslehrer am Gymnasium, Gastmeister und Mitarbeiter im Jugendzentrum.

Den Autor erreichen Sie unter:

sonntag@kirchenzeitung.at
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