Die Nacht vom 24. auf den 25. Februar wird Kerstin Vogg lange nicht vergessen. An die 50 Menschen ließen sich berühren und leisteten Widerstand und Solidarität für eine Familie aus dem Kosovo. Tatort Röthis.
Sie hatte zuvor weder mit der Politik noch mit den Medien direkt zu tun, erzählt die Psychotherapeutin Kerstin Vogg. „Das ist aus der Not entstanden, als uns klar wurde, dass die Familie Durmisi mit ihren beiden Kindern abgeschoben werden sollte. Da sind wir mit der Familie zu Landesrat Schwärzler gegangen. Und der hat uns versprochen, dass er sich für eine humanitäre Chance der Familie einsetzen wolle. Aber als er uns am Mittwochabend mitteilte, dass er auch nichts mehr tun könne, haben wir die Medien verständigt und Leute angerufen, dass sie zum Haus der Familie Durmisi kommen, um zu zeigen, dass wir diese Nacht-und-Nebel-Aktion nicht wollen. Dass die Abschiebung dann abgebrochen wird, wagten wir gar nicht zu hoffen“, erzählt Vogg.
Nachdem Anela Durmisi über die Caritas-Nachbarschaftshilfe mehrmals bei Vogg im Haushalt geholfen hatte, haben sich die Familien angefreundet. „Wir haben dann gemeinsam die ganze Hochschaubahn der Gefühle um das Asylverfahren und das Bleiberecht miterlebt. Und wir hatten bis zuletzt gehofft, dass es gut ausgeht, nachdem 350 Leute für ein Bleiberecht der Familie unterschrieben hatten und alle Voraussetzungen für eine Integration erfüllt schienen. Als dann klar war, die Fremdenpolizei wird in der Nacht kommen, wollten wir diesem menschlichen Unrecht nicht zusehen – aus Solidarität, aber auch, weil ich zutiefst überzeugt bin, solche Vorgänge machen auch etwas mit uns, da werden Zusammenhalt und Vertrauen zerstört.\"
Mag. Kerstin Vogg: „Der Mensch ist nicht für das Gesetz da, sondern das Gesetz für den Menschen, sagt Jesus sinngemäß. Ich bin überzeugt, er stand mit uns 50 Leuten in dieser Nacht auf dem Balkon der Familie Durmisi.“