Der Umgang mit sexuellem Missbrauch in der Kirche war nach den schwerwiegenden Vorfällen in Irland und Deutschland auch ein zentrales Thema bei der Frühjahrskonferenz der österreichischen Bischöfe in St. Pölten.
Bei Missbrauchsfällen in der Kirche „muss die Sorge um die Opfer an erster Stelle stehen“, betonen die österreichischen Bischöfe in einer am vergangenen Freitag veröffentlichten Erklärung. Ausdrücklich werden alle eingeladen, die Missbrauch durch kirchliche Mitarbeiter erlitten haben, sich an die dafür eingerichteten Ombudsstellen in den Diözesen zu wenden. Die Bischöfe betonen, dass sie vor jenen großen Respekt haben, die bereit sind, über ihre Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch im kirchlichen Umfeld zu sprechen.
Maßnahmen. Österreichs Bischöfe treten für einen klaren und konsequenten Umgang der kirchlichen Verantwortungsträger mit konkreten Verdachtsfällen und Vorwürfen ein. „Mit Scham und Trauer“ stellen sie fest, „dass sich erst in den letzten Jahren in der Kirche in Österreich die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass bei Missbrauchsfällen nichts anderes zählt als die Wahrheit.“ Mit zusätzlichen Maßnahmen wollen die Bischöfe einen „wirksameren Umgang der kirchlichen Verantwortungsträger mit Fällen von sexuellem Missbrauch sicherstellen“. Dazu hat die Bischofskonferenz eine Projektgruppe eingesetzt, die bis zur Vollversammlung im Sommer ein Gesamtkonzept vorlegen soll. Dieses soll drei Schwerpunkte enthalten: Gemeinsame Regeln und Standards, die für alle Diözesen und Ordensgemeinschaften gelten; die Verbesserung der österreichweiten Vernetzung und Zusammenarbeit der diözesanen Ombudsstellen; die Förderung der Bewusstseinsbildung und Prävention zur Verhinderung sexuellen Missbrauchs durch eine verstärkte Aus- und Fortbildung der kirchlichen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen.
Dunkle Seite. Die Bischöfe betonen in ihrer Erklärung auch die Notwendigkeit der Zusammenarbeit aller in der Gesellschaft, denn der sexuelle Missbrauch sei eine „dunkle Seite der ganzen Gesellschaft“. Gleichzeitig aber sei sich die Kirche bewusst, dass sie wegen ihrer hohen ethischen Ansprüche eine besondere Verantwortung trage.