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Alles, was mein ist, ist auch dein

4. Fastensonntag (Lesejahr C), 14. März 2010
Ausgabe: 2010/10, Hildegard Nies, Frater Franz Ackerl, verloren, Wort zum Sonntag, Evangelium, Lesung, 4. Fastensonntag, Benediktiner, Kremsmünster, Zöllner
10.03.2010
„So lange schon, und so viel hab’ ich . . . Kaum aber ist der da! Kaum kommt die bei der Tür herein . . .“ Bitternis klingt aus den Worten, Vorwürfe werden laut. Manches im Leben ist ungerecht. Aber es gibt auch die andere Möglichkeit: dass aus dem leisen Verdacht, man könnte vielleicht zu kurz kommen, das nagende Gefühl der Bitterkeit wird. Kritisch und liebevoll soll er sein, der Blick auf das eigene Leben. Um die Antwort des Vaters im Gleichnis Jesu für sich selber hören zu können: Mein Kind, du bist immer schon bei mir . . .


Evangelium


Lk 15, 1–3. 11–32

Alle Zöllner und Sünder kamen zu Jesus, um ihn zu hören. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen. Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte: [. . .] Weiter sagte Jesus: Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht. Da teilte der Vater das Vermögen auf. Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen. Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über das Land, und es ging ihm sehr schlecht. Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten. Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon. Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen, und ich komme hier vor Hunger um. Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner. Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt;
ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand, und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand, und zieht ihm Schuhe an. Bringt das Mastkalb her und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden. Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern.
Sein älterer Sohn war unterdessen auf dem Feld. Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz. Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle. Der Knecht antwortete: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn heil und gesund wiederbekommen hat. Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu. Doch er erwiderte dem Vater: So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte. Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet. Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden.


1. Lesung


Jos 5, 9a. 10–12




2. Lesung


2 Kor 5, 17–21

Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden. Aber das alles kommt von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat. Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat, indem er den Menschen ihre Verfehlungen nicht anrechnete und uns das Wort von der Versöhnung (zur Verkündigung) anvertraute. Wir sind also Gesandte an Christi statt, und Gott ist es, der durch uns mahnt. Wir bitten an Christi statt: Lasst euch mit Gott versöhnen! Er hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden.



Verlorener


Gott, lässt du dich wiederfinden?
Gib mich nicht verloren, wenn ich dich verloren habe!
Hol mich zurück, nimm mich unter den Meißel,
leg mein Gesicht frei, reiß die Masken weg.
. . . hol mich zurück,
arbeite an mir,
bis ich Mensch nach deinem Bild bin.
Der gibt, nicht nimmt.
Der vergibt,
nicht verurteilt.
Der aufrichtet,
nicht richtet . . .

Hildegard Nies



Wort zum Sonntag


Ich bin doch nicht zu kurz gekommen?!

Bei meinen letzten Exerzitien hatte ich eine tiefe Erkenntnis. Ich musste mir eingestehen, dass ich eigentlich gefährdet bin, verbittert zu werden. Dass ich das Gefühl hatte, im Leben zu kurz gekommen zu sein. „So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt, mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte.“
So hören wir im Evangelium den älteren Sohn zum ,Barmherzigen Vater‘ sagen. Da spricht Verbitterung, da herrscht das Gefühl, zu kurz gekommen zu sein. Als ich dieses Gleichnis mit Firmbegleiterinnen bearbeitete, stellte sich heraus, dass sich diese Frauen auch eher mit dem älteren Sohn identifizieren. Vielleicht geht es uns allen so. Mein Exerzitienleiter gab mir dann die „Betrachtung zur Erlangung der Liebe“ des hl. Ignatius von Loyola als Aufgabe.
Ich sollte mir die „Wohltaten“, die Gott mir geschenkt hat, vor Augen führen. Beim kritisch-liebevollen Blick auf mein Leben wurde mir dann erst bewusst, wie viele schöne Augenblicke mein Leben ausmachen, welch wunderbare Menschen mich auf meinem Weg begleiten, wie oft ich die Liebe und Nähe Gottes schon ganz stark erfahren habe. Welche Antwort gibt der ,Barmherzige Vater‘ im Gleichnis auf den Vorwurf seines Sohnes? „Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein.“ Der Ausgang der Geschichte bleibt offen.
Vielleicht ist der ältere Sohn auch in sich gegangen und hat erkannt, wie sehr er von seinem Vater geliebt wird. Hoffentlich konnte er die Zeilen „Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden. Lasst euch mit Gott versöhnen“ (vgl. 2 Kor) in die Tat umsetzen. Ich wünsche es mir, dass die Geschichte so ausgeht. Ich wünsche es dem älteren Bruder und vor allem auch Ihnen!

Zum Weiterdenken

Haben Sie manchmal das Gefühl, im Leben zu kurz gekommen zu sein? Wagen Sie den Blick auf Ihr Leben und versuchen Sie wahrzunehmen, wie viel Positives es auf Ihrem Lebensweg gibt, welche Menschen Ihnen in Ihrem Leben Liebe und Zuneigung geschenkt haben.


Frater Franz Ackerl, Benediktiner von Kremsmünster. Religionslehrer am Gymnasium, Gastmeister und Mitarbeiter im Jugendzentrum.

Den Autor erreichen Sie unter:

sonntag@kirchenzeitung.at
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