- Katharina Huber, Ehe-, Familien- und Lebensberaterin Caritas Innsbruck
Kind im Supermarkt / Child in the supermarket [ (c) www.bilderbox.com, Erwin Wodicka, Siedlerzeile 3, A - 4062 Thening, Tel. +43 676 5103678. Verwendung nur gegen HONORAR, BELEG, URHEBERVERMERK und den AGBs auf bilderbox.com] (in an im auf als and be
Aus der Praxis: Marianne möchte einen Termin, weil sie Probleme im Kontakt mit Verwandten hat. Diese Verwandten haben keine Kinder und möchten die Kinder von Marianne so oft als möglich zu Besuch. Sie fragt sich, ob sie egoistisch sei, weil sie die Kinder bei sich haben will. Sie braucht eine Gesprächspartnerin, damit sie eine Entscheidung treffen kann. Ihr Mann kommt zum Beratungsgespräch mit. Marianne und Franz haben vier Kinder imKindergartenalter, die alle Wunschkinder sind. Sie besitzen keine Reichtümer, aber sie können leben. Marianne kümmert sich vorwiegend um die Kinder und den Haushalt, Franz geht einer Beschäftigung außer Haus nach. Sie sind beide um die 40 Jahre alt und kennen sich seit etwa zehn Jahren. Marianne hat im Alter von zwölf Jahren die Scheidung ihrer Eltern miterlebt und war anschließend bei ihrer Mutter. Ihre Geschwister waren schon selbstständig und sie hatte über Jahre keinen Kontakt zu ihnen. Seit der Beerdigung ihrer Mutter ist sie ihren Geschwistern wieder nähergekommen.
Eltern sind oft verunsichert, wenn siemerken, dass ihre Kinder woanders „mehr“ oder „etwas Besseres“ bekommen. Manche haben Angst, die Kinder zu verlieren.
Im Beratungsgespräch wird klar, dass sie den kinderlosen Verwandten gern den Kontakt zu ihren Kindern gewähren würden, aber sie nicht möchten, dass die Kinder gekauft werden. Die Eltern erzählen, dass die Verwandten den Kindern immer Geschenke geben oder auf dem Weg zu deren Zuhause vorher noch einkaufen. Dies widerstrebt Marianne und Franz, da sie von reinem Konsum nichts halten und sie sich als arme Verwandte fühlen, weil sie sich das nicht leisten können und wollen. Die Geschenke bleiben dann oft im Haus der Verwandten, da die Eltern den Kindern ja verbieten, damit zu spielen. Dies sollte ein weiterer Grund sein, dass die Kinder möglichst oft kommen. Mit solchen Aussagen werden die Gefühle der Eltern verletzt, sie sind nicht die „Monster“, die den Kindern nichts gönnen. Die Tante redet den Kindern auch ein, dass sie bei ihr zu Hause seien.
Beziehung statt Geld. Beide sind unsicher, wie sie mit dem Wunsch der Verwandten, die Kinder möglichst oft zu sich zu holen, umgehen sollen, da sie merken, dass die Kinder dadurch verunsichert werden. Ich kann sie im Gespräch nur bestätigen: Sie sind die Eltern und kennen die Kinder am besten. Um den Kindern eine gute Entwicklung zu ermöglichen, ist Beziehung und nicht Geld notwendig. Es muss klar sein, wo das Heim der Kinder ist. Die Verwandten sind für soziale Kontakte gut, aber die Eltern sind wichtiger.
Familie an erster Stelle. Die Eltern gingen mit der Sicherheit, dass sie „nein“ sagen dürfen. Das war für beide entlastend. Sie werden in Zukunft die Kinder dann zur Tante gehen lassen, wenn es für die Familie passt. Der Druck, immer auf die Bedürfnisse der Tante Rücksicht zu nehmen, ist weg. Die Kinderlosigkeit der Tante hat nichts mit dieser Familie zu tun und sie ist nicht dafür verantwortlich. Sie haben im Gespräch auch die Sicherheit bekommen, dass Beziehung viel wichtiger als Konsum ist.