Er reicht uns die Hand. Die Stahlskulptur vor dem verhüllten Christuskreuz stellt Fragen an die Betrachter/innen und regt zu Interpretationen an.
Die Pfarre Sipbachzell zeigt in den Tagen der Fastenzeit eine Stahlskulptur, die über dem Taufbrunnen im gotischen Chor des 15. Jahrhunderts aufgestellt ist.
Vom Schiff der Kirche aus gesehen, scheint die Skulptur unmittelbar auf der mächtigen Mensa des Altars aufgerichtet, hinter ihr verhüllen durchscheinende Tücher das Chorkreuz. Drei Enden der Kreuzbalken sind sichtbar geblieben, der Korpus selbst ist gerade noch zu erahnen. An seine Stelle tritt der „Kulturträger“, eine mehr als drei Meter hohe Skulptur aus verschweißtem und gebogenem Armierungseisen.
In der Werkstatt. Diese Figur entstand im Jahr 2007 auf dem Hartlauerhof der Caritas in Asten. Die Einrichtung ermöglicht wohnungslosen Männern, Heimat und Beschäftigung für einen bestimmten Zeitraum zu finden. Der Künstler Gerhard K. arbeitete damals in den Metallwerkstätten des Hartlauerhofs. Die kreativ-künstlerische Auseinandersetzung ist Teil eines Prozesses, der die Bewohner des Hartlauerhofes unterstützt, in der Gesellschaft neu Anschluss zu finden und sich an ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu gewöhnen.
Am Rande der Konsumgesellschaft. Die gestalterische Arbeit ist aus Abfall-Materialien gefertigt: aus Fundstücken, die am Rande einer Konsumgesellschaft des Überflusses übrig bleiben. Die menschliche Figur des „Kulturträgers“ stellt Fragen an den Betrachter: „Wer oder was trägt unsere Kultur?“, und: „Was ist vom Bild des Menschen geblieben, da schon so viel schiefgegangen ist?“ Zugleich nimmt sie eine mittelalterliche Variante der Kreuzmystik auf, in der sich Christus vom Kreuz herabneigt, um dem leidenden und fragenden Menschen die Hand zu reichen.
Mit Stahl gewappnet. Kein schön geschnitzter oder gegossener Christus-Korpus ist hier mehr zu sehen, sondern nur Konturlinien, die im Licht so etwas wie einen Körper nachzeichnen, in der Härte eines Materials, das verwandt ist mit der Härte einer Gesellschaft, die sich mit Stahl wappnet. Das Bild des Menschen, nicht nur des Gott- Menschen, zeigt sich hier verhüllt, so wie es Thomas von Aquin vor mehr als 750 Jahren in seinem Fronleichnamshymnus besungen hat: „Einst am Kreuze verhüllte sich deiner Gottheit Glanz, hier ist auch verborgen deine Menschheit ganz ...“ P. Klaudius Wintz/elle