Ein Weg, um Bibliotheken für junge Menschen attraktiv zu gestalten, ist, verstärkt Filme, Musik und Computerspiele anzubieten. Allein auf Bücherwürmer zu setzen wird in Zukunft zu wenig sein.
Jugendliche sind nicht nur in der Wirtschaft eine heiß begehrte Zielgruppe. Auch bei den Pfarrbibliotheken Oberösterreichs will man sich nun besonders um den Nachwuchs kümmern. Folgerichtig ging die Bibliothekstagung 2010 in Schloss Puchberg der Frage nach, wie man die „Bildungsnahversorger“ auch jungen Menschen schmackhaft macht.
Bibliothekevents. Ein Schlüssel, um Jugendliche für die Bibliotheken zu begeistern, können Events sein, weiß Mag. Christian Dandl. Der pädagogische Referent der Bibliotheksfachstelle der Diözese Linz nennt Gutau als ein gutes Beispiel. In dem Mühlviertler Ort hat man es bereits zwei Mal mit einem Pokerturnier geschafft, viele junge Leute in die Pfarrbibliothek zu locken. „Als Ausgleich zu dem stetig wachsenden Leistungsdruck suchen viele Jugendliche Events“, bestätigte auch Jugendforscher Matthias Rohrer bei der Tagung den Sinn von Veranstaltungen. Zu beachten ist aber gleichzeitig, dass sich die Jugendszenen relativ schnell ändern. So sind etwa in Gutau beim dritten Pokerturnier bereits die Teilnehmer ausgeblieben.
Junge Bibliothekare. Um am Puls der Zeit zu bleiben, sollen Bibliotheken versuchen, Jugendliche als ehrenamtliche Mitarbeiter/innen zu gewinnen, die den Jugendbereich eigenständig gestalten können. Diese wissen am besten, was Jugendliche wollen, und können so wiederum junges Publikum anziehen.
Nicht nur für Bücherwürmer. Dabei darf jedoch nicht nur auf Bücherwürmer gesetzt werden, meint Christian Dandl: „Bibliotheken sollen nicht nur Lese-, sondern vor allem Medienkompetenz vermitteln. Mit einem reinen Bücherprogramm vergrault man die jungen Leute eher. Früher hat man auch noch gemeint, dass Comics Schund sind. Heute sagt man: ,Hauptsache, er liest‘“, will er ein Umdenken bei den Bibliotheken erreichen. Bei den Musik- und Filmangeboten soll es künftig weniger Berührungsängste in den Bibliotheken geben. Und auch Computerspielstationen neben den Bücherregalen dürfen kein Tabuthema mehr sein. Dass damit eine sehr große Gruppe von Burschen und Mädchen angesprochen werden kann, belegt Jugendforscher Matthias Rohrer: Über ein Fünftel der Jugendlichen zählt sich zu den passionierten Gamern. Trotz aller Bemühungen gilt es jedoch zu bedenken: Wenn junge Leute den Bibliotheken fernbleiben, liegt das oftmals schlichtweg an der nicht vorhandenen Freizeit: „Jugendliche haben heute nur mehr wenig Zeit, etwas mit Muße zu machen“, sagt Jugendforscher Rohrer.
Pfarrbibliotheken
In Oberösterreich sind von den 300 öffentlichen Bibliotheken 200 in kirchlicher Trägerschaft. 2000 ehrenamtliche Mitarbeiter/innen leisten in diesen Bibliotheken Dienst. Die Oberösterreichische Bibliothekstagung 2010 fand am 20. März in Schloss Puchberg statt.