Die Herzen der Menschen flogen Jesus beim Einzug in Jerusalem zu. Doch es dauerte nicht lange, und aus den Jubelrufen wurde Ablehnung und Verfolgung. Jesus lieferte nicht einfach ab, was viele von ihm erwarteten. Das versprochene Heil braucht das ganze Herz der Menschen, den Willen Gottes zu leben.
1. Lesung
Jes 50, 4–7
Gott, der Herr, gab mir die Zunge eines Jüngers, damit ich verstehe, die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort. Jeden Morgen weckt er mein Ohr, damit ich auf ihn höre wie ein Jünger. Gott, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet. Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück. Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen, und denen, die mir den Bart ausrissen, meine Wangen. Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel. Doch Gott, der Herr, wird mir helfen; darum werde ich nicht in Schande enden. Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel; ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate.
2. Lesung
Phil 2, 6–11
Christus Jesus war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: „Jesus Christus ist der Herr“ – zur Ehre Gottes, des Vaters.
Evangelium
Lk 19, 28–40
Nach dieser Rede zog Jesus weiter und zog nach Jerusalem hinauf. Als er in die Nähe von Betfage und Betanien kam, an den Berg, der Ölberg heißt, schickte er zwei seiner Jünger voraus und sagte: Geht in das Dorf, das vor uns liegt. Wenn ihr hineinkommt, werdet ihr dort einen jungen Esel angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat. Bindet ihn los, und bringt ihn her! Und wenn euch jemand fragt: Warum bindet ihr ihn los?, dann antwortet: Der Herr braucht ihn. Die beiden machten sich auf den Weg und fanden alles so, wie er es ihnen gesagt hatte. Als sie den jungen Esel losbanden, sagten die Leute, denen er gehörte: Warum bindet ihr den Esel los? Sie antworteten: Der Herr braucht ihn. Dann führten sie ihn zu Jesus, legten ihre Kleider auf das Tier und halfen Jesus hinauf. Während er dahinritt, breiteten die Jünger ihre Kleider auf der Straße aus. Als er an die Stelle kam, wo der Weg vom Ölberg hinabführt, begannen alle Jünger freudig und mit lauter Stimme Gott zu loben wegen all der Wundertaten, die sie erlebt hatten. Sie riefen: Gesegnet sei der König, der kommt im Namen des Herrn. Im Himmel Friede und Herrlichkeit in der Höhe! Da riefen ihm einige Pharisäer aus der Menge zu: Meister, bring deine Jünger zum Schweigen! Er erwiderte: Ich sage euch: Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien.
wie eine Nische
wie eine Nische in den Stunden eines langen Tags ist ein Gespräch mit Gott so wie ich bin mit dem, was ich getan, erhofft, erträumt alltäglich, unbedeutend ärgerlich und viel oder beglückend, freudig ausgelassen oder still nur da sein und in seinem Licht gesehen werden wahrgenommen sein und sagen, was mein Herz bewegt den Atem wieder spüren, den Herzschlag und die Zeit und wissen, dass ich nicht allein bin jetzt und hier
Almut Haneberg
Wort zum Sonntag
Es menschelt ordentlich
„Christus Jesus war Gott gleich“, lesen wir im Philipperbrief, und bei Lukas hören wir die Jünger rufen „Gesegnet sei der König, der kommt im Namen des Herrn“. Zwei Aussagen über die Person Jesu Christi. Schon im Evangelium lesen wir aber, dass nicht alle so positiv dachten. Dort sind es die Pharisäer, und heute? Wichtiger, als jetzt Menschen aufzuzählen, in deren Leben für Jesus scheinbar kein Platz ist, scheint mir die Frage: „Wer ist dieser Jesus für mich?“ Ein Bekannter, mit dem ich zweimal im Jahr Kontakt habe; ein Freund, den ich wöchentlich zum Gespräch treffe; ein Verwandter, der mir früher wichtig war, den ich aber jetzt aus den Augen verloren habe; ein Vorgesetzter, den ich schätze und achte; ein Geliebter, mit dem ich mein Leben teile? „Sein Leben war das eines Menschen“, heißt es in der Lesung. Wie alle meine menschlichen Beziehungen ist meine Beziehung zu Jesus genauso spannend, schön, lau, erfüllend, schwierig, einfach. Und da menschelt es ganz ordentlich. Auch auf meinem Glaubensweg gibt es Zeiten der Nähe oder Distanz. Wo und wie aber kann ich Jesus in meinem Leben erkennen? „Er war gehorsam“, lesen wir. Gehorsam kommt von hören. Wenn ich aufmerksam werde, auf meine innere Stimme höre, meine Umwelt wahrnehme, dann werde ich seine Spuren entdecken. Oft unaufdringlich, unscheinbar, anonym. Jesus ist mir begegnet. Als ich damals stundenlang im Sandkasten saß und Burgen baute; als ich im Jugendalter Freunde gefunden habe, die mich so annehmen wie ich bin; als ich Partys feierte und fröhlich war; als ich im Kloster gemerkt habe, dass ich dort Heimat habe. In allen Situationen meines Lebens, auch in den schwierigen Zeiten, weil er durch sein Menschsein mein Leben kennt. So darf ich vertrauen, dass Jesus, weil er ganz Mensch wurde, mich versteht, mit mir geht und immer wieder Einzug in mein Leben hält.
Zum Weiterdenken
Jesus zieht in Jerusalem ein. Von vielen umjubelt, von manchen in Frage gestellt, von einigen verschmäht. Jesus will auch in mein Leben einziehen. Mit welcher Haltung nehme ich ihn auf?
Frater Franz Ackerl Benediktiner von Kremsmünster. Religionslehrer am Gymnasium, Gastmeister und Mitarbeiter im Jugendzentrum.