Lassen wir die Botschaft der Auferstehung nicht im Sand der Geschichte versickern
Osterbotschaft von Bischof Ludwig Schwarz an die Katholik/innen der Diözese Linz
Ausgabe: 2010/13, Botschaft, Auferstehung, Geschichte, Osterbotschaft, Schwarz, Kirche
31.03.2010
Was ist mit der Kirche los, fragen und klagen viele. In Tagen, in denen dunkle Seiten unserer katholischen Kirche so offensichtlich werden, müssen wir eingestehen: Wir können nicht mit dem makellosen Glanz einer idealen Kirche in Erscheinung treten. Hinter unseren eigenen Idealen bleiben wir zurück. Unser Bemühen um Ehrlichkeit und Redlichkeit, auch unser Einsatz für Gerechtigkeit, wird begleitet von Versagen und Schuld.
Und trotzdem lade ich Sie ein: Feiern Sie mit uns – mit Ihrer Kirche – das Osterfest. Gehen Sie mit uns den Weg des Glaubens mit. Gerade die drei österlichen Tage (Triduum Sacrum) führen uns in das tiefste Geheimnis des Menschseins ein: Es beginnt mit der Feier des Abendmahls am Gründonnerstag, führt uns auf dem Kreuzweg Jesu, auf dem seine Liebe zu den Menschen so deutlich wird, hin zum Kreuz und zum Grab. Doch dieser Weg endet nicht im Grab. Christus ist auferstanden – und wir glauben, „dass wir mit ihm leben werden“ (Röm. 6,8).
Viele haben den Glauben an die Auferstehung verloren. Doch die Kirche hält diese großartige Botschaft unter den Menschen wach. Daraus lassen sich Kraft und Hoffnung schöpfen, das Schwere zu ertragen, den Alltag in guter Weise zu leben und uns einzusetzen für unsere Nächsten.
Ich bin sehr dankbar für alles, was viele in unserem Land für die Kirche tun, ich bin auch dankbar für den Kirchenbeitrag, den Sie als Katholik und Katholikin leisten. Das ermöglicht der Kirche, auch in Ihrem Namen viel Gutes zu tun. Doch noch mehr als um Ihr Geld geht es uns darum, dass wir die Auferstehungsbotschaft unter den Menschen wach halten. Das ist der wahre „Goldschatz“, den wir haben, die „Grundreserve“ an Hoffnung, aus der wir schöpfen.
Ich mache mir Sorgen darum, wer bei uns in späteren Generationen von Jesus und von dem, was Gott für uns Menschen bedeutet, erzählen wird. Wir sollen die Botschaft der Auferstehung nicht im Sand unserer Geschichte versickern lassen. Deshalb schmerzt es ja so, wenn sogar durch Gewährsleute der Kirche diese Frohbotschaft immer wieder auch verdunkelt wird, weil sie, statt aufzurichten, anderen wehtun.Ich weiß, dass sich viele von der Kirche erwarten, dass sie noch deutlicher und klarer für die Botschaft Gottes Zeugnis gibt. Die Sorgen um die Zukunft unserer Kirche drücken. Wir wissen nicht, wohin uns der Weg führt. Wir sehen die Probleme. Doch lassen wir uns anstrahlen vom Licht der Auferstehung. Dieses Licht wird Wege für die Zukunft ausleuchten. Es wird heilen.
Trotz ihrer Unvollkommenheit verweist die Kirche in ihrer Verkündigung, ihrer Liturgie und in ihrem Handeln auf dieses kostbarste Gut, das Menschen geschenkt ist: Jesus Christus, den Erlöser. Die Kirche ist nicht die Hüterin des Grabes unserer Hoffnungen. Sie ist Zeugin der Auferstehung. Gebe Gott, dass wir das zu Ostern neu erfahren dürfen. Das wünsche ich allen Leserinnen und Lesern unserer KirchenZeitung.