Oft wirken traumatische Erlebnisse der Mutter bis in die eigene Schwangerschaft. Das zu erkennen, ist allerdings schwierig.
„Es ist eigentlich ein Wunder, dass das funktioniert“, so Dr. Rupert Linder, wenn er darüber spricht, was alles stimmen muss, damit eine Frau überhaupt schwanger ist. Er ist Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie Psychotherapeut in Birkenfeld bei Pforzheim in Deutschland und betreut seit 23 Jahren Frauen mit Problemen in der Schwangerschaft.
Erfahrungen über Generationen. Linder ist überzeugt davon, dass die meisten dieser Probleme psychisch bedingt sind. Und dass nicht nur eigene Erfahrungen, sondern auch traumatische Erlebnisse der Mutter oder anderer Verwandter aus der Familie unbewusst die Ursache dafür sein könnten. Zum Beispiel, wenn eine Schwangere selbst das erste Kind war, das ihre Mutter nach drei Fehlgeburten bekommen hat. Die Angst vor einer Fehlgeburt kann dann von der Mutter übernommen werden. „Solche Zusammenhänge sollte man öfter erfragen“, meint der Arzt. Schwangere sollen sich bei ihrer Mutter danach erkundigen, wie das war, als sie zu ihr schwanger war, oder wie die Geburt verlaufen ist.
Vorgeburtliche Bindung. Dass nach der Entbindung die Brustentzündung als Zeichen für psychische und körperliche Überforderung verstanden werden kann, sei vielen Geburtshelfern und Hebammen klar. Zusammenhänge zwischen Körper und Psyche vor der Geburt würden aber zu wenig beachtet. Wenn Schwangere sich mit der eigenen vorgeburtlichen Geschichte beschäftigen, können sie eine intensivere Bindung zum ungeborenen Kind aufbauen. Expert/innen sind überzeugt davon, dass dadurch die Geburt weniger belastend für Mutter und Kind verläuft. Frühe Belastungen prägen das gesamte Leben. Diese Kette kann durch die Auseinandersetzung mit eigenen vorgeburtlichen Erlebnissen durchbrochen werden.
- Dr. Rupert Linder war Referent bei einerTagung von Aktion Leben, www.aktionleben.at.