Fest in Kremsmünster: 50 Jahre Cursillo in Österreich
Ausgabe: 2010/19, Fest, Kremsmünster, Cursillo, 50 Jahre, P. Maximilian Bergmayr, Cursillo, Geistlicher Assistent, Pfingsten, Spanien, Jubiläum, Cascales, Gemeinschaft, Glaubensfreude, Lebensfreude
12.05.2010
- Hans Baumgartner
Sie verkünden einen Gott der Liebe und einen Glauben, der frei macht. Am Pfingst-sonntag feiert der Cursillo in Kremsmünster sein 50-jähriges Wirken in Österreich. Dazu P. Maximilian Bergmayr im Gespräch.
Welche exotische Kirchenfrucht verbirgt sich hinter dem Namen Cursillo? Bergmayr: Tatsächlich ist es so, dass manche meinen, der Cursillo wäre so etwas wie eine Sekte oder eine exotische Sondergruppe in der Kirche. In Wahrheit aber ist er eine Bewegung, welche die Menschen zu einem eigenständigen, freudigen, offenen und durchaus auch kritischen Christsein ermuntern möchte. Der Name kommt aus dem Spanischen und bedeutet soviel wie kleiner Kurs.
Was hat es mit diesem Kurs auf sich? Bergmayr: Der Cursillo ist im Spanien der 1940er Jahre als ein Angebot zur Verlebendigung und Vertiefung des Glaubens entstanden. Lange vor dem Konzil haben Priester und Laien gemeinsam dreitägige Glaubenskurse gehalten, die vor allem bei jungen Leuten großen Anklang fanden. Und trotz des Widerstands kirchlicher Obrigkeiten breitete sich dieses Modell rasch aus. Das Durchführen dieser Kurse steht bis heute im Zentrum unserer Arbeit. Der Cursillo ist daher auch keine Mitgliederbewegung im üblichen Sinn, sondern er will Menschen motivieren und befähigen, ihren Glauben zu leben – dort wo sie sind, in der Pfarre, in den verschiedenen kirchlichen Bewegungen, in der Familie, im Beruf und in der Gesellschaft. Bischof Aichern hat öfter gesagt, in vielen Pfarren treffe er engagierte Mitarbeiter, die einen Cursillo gemacht hatten. Das ist ein gutes Zeichen.
Was ist das Geheimnis, warum ein nur dreitägiger Cursillo Menschen offenbar so nachhaltig prägt? Bergmayr: Zunächst einmal meine ich, es ist die Methode eines partnerschaftlichen Lernens im Glauben, die lebendige Erfahrung von einer Kirche, die als Gemeinschaft unterwegs ist. Inhaltlich geht es ganz wesentlich um die zentrale Botschaft christlichen Glaubens: Unser Gott ist der barmherzige Vater, der uns entgegenkommt, der für uns da ist, der uns annimmt, so wie wir sind – und der uns in Jesus von Nazareth als Bruder begegnet. Das Ziel eines Cursillo ist es, Freude am Glauben und am Leben zu vermitteln, einen Optimismus, der getragen ist von der Erfahrung: Ich bin in Gott geborgen. Ich habe immer wieder erlebt, wie befreiend Menschen einen Cursillo erleben und wie er für manche zum „Kick“ wird, bestärkt und selbstbewusst ihren Glauben zu leben, ein Stück Sauerteig in der Kirche und in der Welt zu sein.
Welche Leute kommen zu einem Cursillo? Bergmayr: Zum Teil sind das Menschen, die eine Ermutigung und Vertiefung in ihrem Glauben und Leben suchen. Immer öfter kommen aber auch Menschen, die auf der Suche nach Antworten für ihr Leben sind. Darauf haben wir insoferne reagiert, dass wir eigene „Orientierungskurse“ anbieten. Außerdem beschäftigt sich ein Konzeptteam österreichweit mit der Frage, wie wir heute den christlichen Glauben als sinnvolles Lebenskonzept vermitteln können. Der Cursillo zielt dabei auf ein authentisches Leben aus der Begegnung mit sich selbst, mit dem Nächsten und mit Gott. Wichtig scheint mir auch, dass wir die Zusammenarbeit mit den Diözesen intensivieren, um unsere Angebote näher auf die pastoralen Bedürfnisse anzupassen. Ein guter Weg scheinen mir da Pfarr- oder Dekanatscursillos zu sein oder eine engere Verbindung von Jugendcursillos und Religionsunterricht.
Was bedeutet Ihnen persönlich der Cursillo? Bergmayr: Eine ganz tolle Bereicherung. Ich erfahre in dieser Gemeinschaft eine Glaubens- und Lebensfreude, von der ich denke, dass sie das widerspiegelt, was Jesus Christus will.
- Weitere Informationen: www.cursillo.at
P. Maximilian Bergmayr (42) unterrichtet am Stiftsgymnasium Kremsmünster und ist Geistlicher Assistent des Cursillo Österreich und Oberösterreich.