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Ganz und gar erfüllt sein

7. Sonntag der Osterzeit (Lesejahr C), 16. Mai 2010
Ausgabe: 2010/19, Sonntag, 7. Sonntag der Osterzeit, Gläubige, Gemeinden, Apostelgeschichte, Christen, Christinnen, Stephanus, Evangelium, Lesung, Johannes, Apostelgeschichte, Offenbarung, zurückschauen, Christiane Bundschuh-Schramm, Segen, Gott, Moment, Gabriela
12.05.2010
Trotz der Unterschiede haben Gläubige der Gemeinden in der Apostelgeschichte und Christinnen und Christen der Kirche heute etwas Wesentliches gemeinsam: es sind Menschen, die Jesus nicht (mehr) persönlich kennen, aber sie versuchen seine Botschaft zu leben. Jesus wird für sie in konkreten Menschen erahnbar, in deren vertrauensvollem Leben und Handeln. Wie in Stephanus zum Beispiel, der ganz und gar erfüllt war von dem, was er glaubte.


Evangelium


Joh 17, 20–26

Aber ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast; denn sie sollen eins sein, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir.
So sollen sie vollendet sein in der Einheit, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und die Meinen ebenso geliebt hast wie mich. Vater, ich will, dass alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon geliebt hast vor der Erschaffung der Welt. Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt, und sie haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen ist und damit ich in ihnen bin.


1. Lesung


Apg 7, 55–60

Er (Stephanus) aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen und rief: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen. Da erhoben sie ein lautes Geschrei, hielten sich die Ohren zu, stürmten gemeinsam auf ihn los, trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß. So steinigten sie Stephanus; er aber betete und rief: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Dann sank er in die Knie und schrie laut: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an! Nach diesen Worten starb er.


2. Lesung


Offb 22, 12–14. 16–17. 20

Siehe, ich komme bald, und mit mir bringe ich den Lohn, und ich werde jedem geben, was seinem Werk entspricht. Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende. Selig, wer sein Gewand wäscht: Er hat Anteil am Baum des Lebens, und er wird durch die Tore in die Stadt eintreten können. [. . .] Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt als Zeugen für das, was die Gemeinden betrifft. Ich bin die Wurzel und der Stamm Davids, der strahlende Morgenstern. Der Geist und die Braut aber sagen: Komm! Wer hört, der rufe: Komm! Wer durstig ist, der komme. Wer will, empfange umsonst das Wasser des Lebens. [. . .] Er, der dies bezeugt, spricht: Ja, ich komme bald. – Amen. Komm, Herr Jesus!



zurückschauen
mit Wohlwollen wahrnehmen
stehen lassen und ja sagen
Gott segne dich dafür

atmen
den Moment kosten
hier sein und ja sagen
Gott segne dich dafür

nach vorne schauen
gespannt sein
gelassen bleiben und ja sagen
Gott segne dich dafür

Christiane Bundschuh-Schramm



Wort zum Sonntag


Gott atmen

„Du in mir und ich in dir“ ist für mich der Leitspruch über diesen Sonntag. Dieser meditative Liedruf ist zu einem meiner Stoßgebete geworden. Als Begleiterin bei Besinnungstagen der Katholischen Frauenbewegung meditiere ich dieses Kurzgebet gerne – als Atemübung zum Beispiel. Haben Sie schon einmal Gott geatmet? Atmen Sie bei „Du“ tief ein und lassen Sie sich durchströmen von Gott, dann atmen sie bei „in mir“ aus und machen es bei der nächsten Rufzeile „ich in Dir“ ebenso.
Wenn uns in der Apostelgeschichte Stephanus, der erste Märtyrer, begegnet, der bei der Steinigung zum Himmel schaut, diesen offen sieht und dabei die Herrlichkeit Gottes besingt, dann denke ich mir, Stephanus muss so ein Mensch gewesen sein, der ganz und gar erfüllt war von Gott. Lukas, der Verfasser Apostelgeschichte, ist beim Schreiben sehr kreativ. Er informiert nicht nur, sondern bezieht die Leserinnen und Leser ins Geschehen ein.
Mich fasziniert die Apostelgeschichte. Menschen, die Jesus nicht mehr persönlich gekannt haben, versuchen seine Botschaft zu leben. Sie können Jesus erahnen, weil er in der jungen Kirche durch konkrete Menschen im Tun und Handeln erfahrbar wird. Unternehmensbegleitung nennt das „Corporate Identity“ und meint damit, wie wahrhaftig Menschen einer Gemeinschaft oder eines Unternehmens deren Philosophie nach innen und außen leben. Gleiche Zeichen, Riten und Bräuche alleine genügen zur Identität nicht. Was zählt, ist Zeugin und Zeuge zu sein. Ganz und gar erfüllt sein von dem, was wir glauben, ganz in ihm sein – „Du in mir und ich in Dir“ eben. Lukas geht so weit, dass er den sterbenden Stephanus wie Jesus sprechen lässt: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!“ (Apg 7, 60b) Zeugnis bis zum Tod steht am Beginn der jungen Kirche. Nicht jede und jeder ist ein Stephanus. Eines können wir aber tun: „Lebe das, was du vom Evangelium verstanden hast. Und wenn es noch so wenig ist. Aber lebe es!“ (Roger Schutz)

Zum Weiterdenken

Wunsch: Dass Gott ein Tätigkeitswort werde. (Kurt Marti)


Gabriela Zarits ist Diözesanleiterin der Katholischen Frauenbewegung und Vorsitzende der Frauenkommission der Diözese Eisenstadt.

sonntag@kirchenzeitung.at
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