Bei den traditionellen Reichersberger Pfingstgesprächen der ÖVP haben die Referenten sehr unterschiedliche Zugänge zum Thema Bildung vorgetragen.
Dr. Gerhard Roiss etwa, Generaldirektor-Stellvertreter des OMV-Konzerns, redete ausschließlich der Ausbildung das Wort. Diese müsse sich im internationalen Wettbewerb bewähren. Das war deutlich anders, als es Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer formulierte. Bildung habe Ausbildungszweck: Wissen und Können vermitteln, und einen viel weiteren Auftrag: Herz und Charakter bilden. Roiss brachte viele Vorschläge ein, wie ein (Aus-)Bildungsvorsprung erarbeitet werden könne: Internationale Vernetzung, laufende Qualitätskontrollen. Allem übergeordnet sei der Erwerb der englischen Sprache. Das müsse in Kindergärten beginnen. In internationalen Konzernen gehe ohne Englisch gar nichts.
Muße und Spiel. Der Abtprimas der Benediktiner, Dr. Notker Wolf, bekam mehrmals Zwischenapplaus. Etwa als er die Gesamtschule infrage stellte: Was wäre aus dem Genie Mozart geworden, wäre er bis 14 in einer Gesamtschule gewesen? Aber er hatte auch weniger Saloppes zu bieten: Bildung gerade junger Menschen in der Pubertät brauche Kontinuität, Stabilität und feste Bezugspersonen. Bildung bedeute, den Menschen formen, bilden, nicht nur ausbilden. Ihm eine Zukunftskompetenz zu geben. Dann plädierte der Abt für die Pause, die Muße, für Sport und Spiel. Auch im Kartenspiel lerne man fürs Leben. Etwa Risiken abzuschätzen. Daran mangelte es den Finanzmanagern, habe die Krise gezeigt.