Ausgabe: 2010/21, Sonntag, Gabriela Zarits, Wort zum Sonntag, vielfältig, überraschend anders, Dreifaltigkeitssonntag, Karl Rahner, Dreieinigkeit, Evangelium, Lesung
26.05.2010
Morgens noch überlegen und planen, wie dieser Tag mit seinen Begegnungen und seiner Arbeit sein soll . . . und abends immer wieder einmal entdecken, dass manches ganz anders gelaufen ist. Und dankbar sein, dass „nicht meine menschliche Einfalt, sondern Gottes vielfältiges Wirken“ dem Leben seine Gestalt gibt. Und dieser Gott der Vielfalt ist Tag für Tag mit auf dem Weg.
Evangelium
Joh 16, 12–15
Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.
1. Lesung
Spr 8, 22–31
Der Herr hat mich geschaffen im Anfang seiner Wege, vor seinen Werken in der Urzeit; in frühester Zeit wurde ich gebildet, am Anfang, beim Ursprung der Erde. Als die Urmeere noch nicht waren, wurde ich geboren, als es die Quellen noch nicht gab, die wasserreichen. Ehe die Berge eingesenkt wurden, vor den Hügeln wurde ich geboren. Noch hatte er die Erde nicht gemacht und die Fluren und alle Schollen des Festlands. Als er den Himmel baute, war ich dabei, als er den Erdkreis abmaß über den Wassern, als er droben die Wolken befestigte und Quellen strömen ließ aus dem Urmeer, als er dem Meer seine Satzung gab und die Wasser nicht seinen Befehl übertreten durften, als er die Fundamente der Erde abmaß, da war ich als geliebtes Kind bei ihm. Ich war seine Freude Tag für Tag und spielte vor ihm allezeit. Ich spielte auf seinem Erdenrund, und meine Freude war es, bei den Menschen zu sein.
2. Lesung
Röm 5, 1–5
Gerecht gemacht aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn. Durch ihn haben wir auch den Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen, und rühmen uns unserer Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes. Mehr noch, wir rühmen uns ebenso unserer Bedrängnis; denn wir wissen: Bedrängnis bewirkt Geduld, Geduld aber Bewährung, Bewährung Hoffnung. Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.
Dreieiner
Wenn Gott als der Unendliche und Unbegreifbare, der Urgrund allen Seins gesehen wird, dann ist es Gott Vater, wenn derselbe Gott uns im Menschen Jesus Christus begegnet, ist es der Sohn, und wenn dieser Gott in der Mitte unseres Seins ankommt, ist es der Heilige Geist.
Über die Dreieinigkeit, nach Karl Rahner
Wort zum Sonntag
Vielfältig, nicht einfältig
Ich habe in meinem Tagesablauf einen guten Brauch, ein Ritual. Ich fange jeden Tag mit dem Kreuzzeichen und einem bewussten „Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ an. In Gedanken gehe ich Menschen, meine Termine, die konkreten Aufgaben, Begegnungen und alles, was anstehen wird, am jungen Tag, durch. Wie eine Klammer halten diese Worte am Anfang und am Ende des Tages, alles was an jedem Tag geschieht zusammen, ohne die Kreativität der Ereignisse zu schmälern. Und während ich in der Früh plane und mir so genau wie nur möglich den Tag einteile und die Ergebnisse von Besprechungen ausmale, muss ich am Abend oft feststellen, dass der Tag ganz anders gelaufen ist, als ich dachte. Tag für Tag lege ich die Ereignisse in Gottes Hände zurück und bin oft dankbar, dass nicht meine Einfalt, sondern Gottes vielfältiges Wirken den Tagen Gestalt gibt. Manchmal sind es Freude und Dankbarkeit, die mich mitten im Tun oder in Begegnungen erfüllen. Dann singe ich Loblieder wie die Psalmisten. Bei Hiobsbotschaften begegnet mir der Gott Hiobs, den ich oft nicht verstehe, weil er doch so anders ist. Trotzdem weiß ich, Gott ist da. Manchmal ist es Jesus, der mich aufrichtet wie die gebeugte Frau. Unterwegs zu einer Frauengruppe, singe ich manchmal laut: „Sende deinen Geist aus und alles wird neu.“ Der Gott der Vielfalt ist Tag für Tag mit auf dem Weg. Die Einsichten, Erfahrungen bleiben.
Das Buch der Sprichwörter erzählt Alltagssituationen und davon, wie jeder und jede Glaube persönlich leben kann. Die Weisheit tritt als Person auf und erzählt (vgl. 1. Lesung): „Der Herr hat mich geschaffen im Anfang seiner Wege“ . . . „als er die Fundamente der Erde abmaß, da war ich als geliebtes Kind bei ihm“ . . . „ich spielte auf seinem Erdenrund und meine Freude war es, bei den Menschen zu sein“ (Sprüche 8, 22. 30. 31).
Zum Weiterdenken
„Ich glaube, dass du ganz anders bist, Gott, als wir denken; dass du dich niemals festschreiben lässt in eine Gestalt, in ein Bild.“ (Christa Peikert Flaspöhler)
Gabriela Zarits ist Diözesanleiterin der Katholischen Frauenbewegung und Vorsitzende der Frauenkommission der Diözese Eisenstadt.