„Liebe Oma, lieber Opa! Immer wenn wir da sind, hast du sehr viel zu tun, das Essen geht viel schneller aus und das Geld auch. Ich wollte nur mal DANKE sagen.“
Ausgabe: 2017/02
10.01.2017
- Alfred Natterer
Diesen Brief hat die 12-jährige Antonia geschrieben. Sie hat den mehrtägigen Besuch bei den weit entfernt lebenden Großeltern genossen und für sie ist es auch im Nachhinein nicht selbstverständlich, dass Oma und Opa sich so liebevoll um sie sorgen. Antonias Mutter hat diesen Brief fotografiert und auf Facebook gepostet. Mir hat er ein Lächeln ins Gesicht gezaubert und Papst Franziskus kam mir in den Sinn.
Haltung, die entfremdet
Als ein Schlüsselwort, das die Tür zu einem positiven und respektvollen Familienleben öffnet, bezeichnet Papst Franziskus in „Amoris Laetitia“ (133) das Wort „Danke“ und betont, dass ein solches Wort der Großherzigkeit ständig gepflegt werden müsse. Franziskus kam als Bischof mit unterschiedlichsten Familien und deren Dynamiken in Berührung. Er kennt familiäre Gewalt und auch die feinen leisen Zwischentöne, die auf Dauer zerstörerisch wirken. Er kennt die Haltung „Das steht mir zu“, „Darauf habe ich ein Anrecht“, und weiß auch, dass sie oftmals gepaart ist mit der Erfahrung, selbst materiell und emotional zu kurz gekommen zu sein.
Er weiß um schleichende Entfremdung und die Gefahr, den anderen zum Objekt und Erfüllungsgehilfen zu machen. Und er weiß, dass die Gegenreaktion je nach Temperament Verschlossenheit und Rückzug oder Aggressivität und Gewalt sein kann. Paradoxerweise aber nicht mit dem Willen, den anderen zu zerstören, sondern den eigenen innersten Kern, nämlich die eigene Würde, zu schützen.
Beziehungsstiftende Schlüsselworte
Damit solche Dynamiken möglichst wenig Raum bekommen, nennt Franziskus drei Schlüsselworte: zum „Danke“ fügt er noch zwei weitere hinzu: „Darf ich?“ und „Entschuldigung“. Diese drei Worte sind keineswegs naiv. Wie kaum andere sind sie beziehungsorientiert und respektieren das Gegenüber in seiner Eigenständigkeit. Sie achten die Freiheit des anderen und ermuntern, für das eigene Verhalten Verantwortung zu übernehmen. Sie sind Wagnis, denn eine Entschuldigung, zu der durchaus Überwindung nötig ist, kann möglicherweise noch nicht angenommen oder eine Bitte abgelehnt werden. Daher ist es nur folgerichtig, dass Franziskus betont: „Seien wir nicht kleinlich mit dem Gebrauch dieser Worte, seien wir großzügig, sie Tag für Tag zu wiederholen, denn ,schwer lastet so manches Schweigen, manchmal auch in der Familie, zwischen Eheleuten, zwischen Eltern und Kindern, unter Geschwistern‘. Demgegenüber schützen und nähren die passenden Worte, im richtigen Moment gesagt, die Liebe Tag für Tag“ (AL 133).
Antonias Mutter hat den Brief ihrer Tochter an die Großeltern veröffentlicht. Nicht aus Sensationsgier, sondern aus dem Gespür, dass diese kleine Geschichte das Leben reicher macht auch für Menschen, die sie einfach nur lesen.
Bei Fragen und Problemen wenden Sie sich an: Beziehung Leben, Partner-, Ehe-, Familien- und Lebensberatung, Kapuzinerstraße 84, 4020 Linz, Tel. 0732/77 36 76.