Die evangelische und die katholische Kirche Oberösterreichs wollen in den großen
Zukunftsfragen christliche Antworten finden. Eine gemeinsame Erklärung
schafft die Basis.
Ausgabe: 03/2017
17.01.2017
- Matthäus Fellinger
„Es gibt nicht nur die Geschichte der bitteren Trennung, Verketzerung, Verletzung und Verfolgung, es gibt auch jene Geschichte, die von dem Willen erzählt, einander zu verstehen, miteinander um die Wahrheit zu ringen, einander als in der Taufe verbundene Geschwister anzunehmen und ein neues Kapitel in dieser langen Geschichte zu beginnen.“ Mit einem gemeinsamen Wort bekräftigen die evangelische und katholische Kirche Oberösterreichs den Willen zum Miteinander. Man ist überzeugt: Konfessionelle Antworten allein reichen heute nicht mehr aus. Auch eine Sorge steht dahinter: Verbunden mit einem Generationenwechsel könnte es zu einer Ökumene-Müdigkeit kommen, oder zu Proflierungstendenzen auf Kosten des kirchlichen Gegenübers. Am 18. Jänner wird die Ökumene-Erklärung der Öffentlichkeit vorgestellt. Am Sonntag darauf, am 22. Jänner, wird bei den Gottesdiensten beider Konfessionen ein gemeinsames Hirtenwort von Bischof Manfred Scheuer und Superintendent Gerold Lehner verlautbart. Dieser Sonntag fällt in die Weltgebetswoche um die Einheit der Christen. „Wir blicken aufeinander mit Dankbarkeit“, heißt es gleich am Anfang der Erklärung. Dem Wort sind intensive Gespräche von Vertreter/innen der beiden Kirchen vorausgegangen. Ergebnis ist ein gemeinsamer Blick auf die Ereignisse, an die das 500-Jahr- Reformationsjubiläum 1517–2017 erinnert. Mit diesem Jubiläum wird jedoch nicht das Datum des Bruches der Kirchen gefeiert, sondern an den Beginn der Reformation und die damit verbundene Erneuerung aus dem Ursprung erinnert, wird betont. Der Bruch unter den Konfessionen erfolgte erst 1521, als über Luther der Bann verhängt wurde. Sowohl die Reformation als auch die von ihr ausgelöste katholische Reform werden in der Erklärung als „für beide Kirchen wichtige, schmerzvolle und doch fruchtbare Abschnitte auf dem Weg durch die Geschichte“ angesehen.
Gemeinsame Unternehmungen
Die evangelische und die katholische Kirche in Oberösterreich wissen sich heute „als Geschwister Seite an Seite“. Gewürdigt wird die Ökumenische Bewegung, auch der ökumenische Aufbruch als Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils. Eine Reihe von gemeinsamen Unternehmungen der beiden Kirchen wird aufgelistet, von der Telefonseelsorge über die ökumenische Ehevorbereitung bis hin zur gemeinsam gestalteten „Langen Nacht der Kirchen“.
Stachel im Fleisch
Von vielen wird die gegenseitige „eucharistische Gastfreundschaft“ als die schwierigste ungelöste Frage in der Ökumene angesehen. Dass die gemeinsame Feier am Tisch des Herrn noch nicht möglich ist, wird im Dokument als dem Willen Jesu widersprechend und als ein „Stachel im Fleisch“ der Ökumene empfunden. Es heißt dann weiter: „Wir ersehnen die eucharistische Gemeinschaft. Die praktizierten Formen eucharistischer Gastfreundschaft sollen bedacht, theologisch reflektiert und weiterentwickelt werden, wo diese durch gemeinsames Leben, gemeinsamen Dienst und theologische Übereinstimmung gedeckt sind.“ Man will keine oberösterreichischen Sonderwege gehen, sondern „mit der Gesamtkirche ... als Volk Gottes in diesem Land Schritte tun, die uns dem Ziel der Einheit am Tisch des Herrn näher bringen“. Jährlich soll es künftig auf Ebene der Pfarren und auf der diözesanen Ebene zu Arbeitstreffen kommen. «