Die Auferstehungsikone für das Gefangenenhaus wurde von den österreichischen Benediktinern und Landeshauptmann Josef Pühringer finanziert.
Das Malen von Ikonen ließ ihn überleben – in den 24 Jahren, in denen D. Siluan im Gefängnis war. Inzwischen seit einigen Jahren in Freiheit hat er vor wenigen Tagen das erste Mal wieder eine Anstalt betreten. Er brachte eine von ihm gemalte Auferstehungsikone nach Garsten.
Es kostete den heute über Sechzigjährigen Überwindung, der Bitte Georg Kamptners, des Gefangenenseelsorgers von Garsten, nachzukommen und für die Anstaltskapelle eine Ikone zu malen. Verständlich. Nach Verbüßung seiner Haft verließ D. Siluan, wie er sich heute nennt, seine Heimat Deutschland, um mit seiner Vergangenheit abzuschließen. Aber in Erinnerung daran, dass ihn die Ikonen gerettet haben, sagte er zu.
Die Wahl. Im Alter von etwa 30 Jahren war D. Siluans Leben nach menschlichem Ermessen gelaufen: Nach schweren Delikten, in deren Folge eine Geisel verstarb, lautete das Urteil auf lebenslänglich. „Wenn man die Konsequenz dieses Urteils realisiert, fällt man in ein schwarzes Loch“, sagt D. Siluan. Man hat nur zwei Möglichkeiten: dahinzuvegetieren und sich einer Clique im Gefängnis anzuschließen oder seinem Leben eine Perspektive zu geben. Er entschied sich zu kämpfen, sagt aber im gleichen Atemzug, dass das, was ihm gelungen ist, nicht sein Werk war, sondern Geschenk Gottes.
Auf die Knie. Weil die Gefängnisleitung D. Siluan als Sicherheitsrisiko einstufte, wurden ihm lediglich Papier und Stifte zur Beschäftigung zugestanden. Zufällig kam ihm ein Heftchen mit den Titel „Wie male ich Ikonen?“ in die Hände. So begann er Ikonen zu malen. Von der Arbeitstechnik her hatter er keine Probleme, doch er drohte zu scheitern. Ikonen kann man nur als gläubiger Mensch malen, wusste er aus den Büchern. Warum das so ist, lässt sich nicht erklären, aber er hat es schmerzhaft erfahren: „Ich konnte den Figuren kein Gesicht geben. Es ging einfach nicht.“ D. Siluan ist kein Schwärmer, aber für ihn steht außer Frage: „Wenn man selbst nicht mehr weiterkann, dann greift Gott ein und hilft weiter.“ Im Fall seiner Malblockade: „Irgendwann hat es mich auf die Knie gezwungen und ich fing an zu beten, das erste Mal seit vielen Jahren“, erzählte D. Siluan noch im Gefängnis einem ORF-Journalisten.
Malen lässt vergessen. Seither gehören Glaube, Gebet und Bibellesung zu seinem Leben. Das Malen der Ikonen ließ ihn im Laufe der Jahre zu einem anderen Menschen werden und die Situation der Inhaftierung vergessen: „Wenn man in einer so langen Haft eine Aufgabe hat, ist das etwas völlig anderes.“ Er begann Ikonen zu verschenken als Zeichen der Wiedergutmachung, und für manche Mitgefangene wurde der „Ikonenmaler“ zum Gesprächspartner oder sie haben ihm einfach schweigend bei der Arbeit zugeschaut und dabei ein wenig Ruhe gefunden.
Ikonen strahlen Gebete ab. Warum D. Siluan schließlich doch für das Gefangenenhaus Garsten gearbeitet hat? „Vielleicht kann mein Zeugnis den einen oder anderen ermutigen, durch den Glauben nochmals ins Leben zu kommen.“ Er, der Nüchterne, lässt keinen Zweifel daran, dass das ein schwerer Weg ist. Doch die Ikone könnte dabei eine Hilfe sein: „Das, was man beim Malen in die Ikone hineinbetet, kommt zu denen zurück, die sich vor sie stellen.“ Und er hat viel hineingebetet.
ZUR SACHE
Kreuz und Auferstehung
Ein Kreuz mit einem überlebensgroßen Korpus hängt in der Kapelle des Gefangenenhauses Garsten. „Nicht nur das sichtbare Kruzifix ist groß, das mächtige Kreuz entspricht durchaus der Lebenssituation vieler Häftlinge“, sagt Georg Kamptner von der Gefangenenseelsorge: „Hier ist der Tod erlebbar: Die Gefangenen haben ihr Ansehen verloren, Partnerschaften und Ehen zerbrechen in Haft und oft geht auch die Hoffnung verloren.“ Kamptner möchte mit der Ikone den Häftlingen eine Botschaft des Lebens, der Auferstehung vor Augen stellen: „Die Seelsorge will beitragen, dass Menschen Schritte ins Leben finden. Die Ikone soll ein Zeichen dafür sein.“
Die Gefängnisseelsorge hat bewusst eine echte, daher teure Ikone angekauft und keinen Kunstdruck in die Kapelle gehängt. Kamptner: „Die Botschaft der Auferstehung ist etwas Wertvolles, das Wertvollste, was wir haben.“ Unter den rund 380 Gefangenen in Garsten sind auch eine Reihe von orthodoxen Insassen. Ihnen soll die Ikone ein Stück heimatliche Vertrautheit vermitteln.
Zur Weihe der Ikone am 10. August 2010 kamen Verteter der katholischen, evangelischen und serbisch-orthodoxen Kirche. Musikalisch wurde die Feier vom Chor der Gefangenen mitgestaltet.