Die deutsche Bundesregierung hat vor etwas mehr als einer Woche bekannt gegeben, die 17 deutschen Atomkraftwerke um Jahre länger als geplant zu betreiben. Das betrifft auch Isar 1 und Isar 2 in der Nähe von Landshut, 100 Kilometer von Oberösterreich entfernt.
Thomas Neff sieht diese deutsche Regierungs-Entscheidung „mit einem weinenden, aber auch ein bisschen mit einem schmunzelnden Auge“. Das weinende Auge des Aktivisten von der Plattform gegen Atomgefahren Salzburg gilt der Gefahr, die von Atomkraftwerken ausgeht.
Erwachter Widerstand. Das schmunzelnde gilt dem nun wieder erwachten Widerstandsgeist. „Jetzt sind viele aufgewacht und bereit zum Widerstand“, sagt Neff. Für den von ihm erwarteten „Schub an Aktivitäten“ sind im kirchlichen Umfeld die „Fachausschüsse Schöpfungsverantwortung“ Hoffnungsträger. Franz Hirsch etwa vom entsprechenden Fachausschuss der Pfarre Ottnang sorgt in seiner Pfarre für die Verbreitung von Infos und macht auf die Möglichkeit aufmerksam, Petitionen gegen die Verlängerung der Betriebsdauer zu unterschreiben. Auch in der Salzburger Landesregierung ortet Neff erwachte Munterkeit. Der oberösterreichische Umwelt-Landesrat Rudi Anschober hat sich ja bisher schon zu Temelin, Mochovce und seit etlichen Wochen mehrmals und deutlich zu den grenznahen bayrischen Atomkraftwerken geäußert. Anschober kritisiert den „völligen Tiefschlaf der Anti-Atompolitik der Bundesregierung“ und verlangt, diese soll das ihr vorliegende Gutachten über Isar 1 offenlegen. Der oberösterreichische Landesrat tritt auch bei mehreren Protestkundgebungen gegen die deutsche AKW-Politik als Redner auf.
Eine katholische Stimme. Das katholische Institut für Philosophie in Hannover hat sich in einer Stellungnahme gegen die Verlängerung der Betriebsdauer der Atomkraftwerke ausgesprochen. Eike Bohlken vom Institut und Mitherausgeber von „Kirche – Kernenergie – Klimawandel“ hat dazu in einem Interview in der deutschen „taz“ unter anderem gemeint: „Wir gehen davon aus, dass die Kernenergie wegen der nicht geklärten Endlagerungsfrage massive Risiken für die lebensfreundlichen Umweltbedingungen zukünftiger Generationen beinhaltet.“
Isar 1. Ende der Siebziger-Jahre ist Isar 1 Ohu bei Landshut in Betrieb gegangen. Isar 2 folgte 1988. Das Aus für den Betrieb von Isar 1 war für das Jahr 2011 vorgesehen. Vor Kurzem hat sich das geändert, Isar 1 soll erst 2019 abgeschaltet werden. Etwa 3000 Änderungen wurden bis voriges Jahr an der Anlage oder in der Betriebsweise von Isar 1 durchgeführt. Die Kritiker sagen, das beweise das Sicherheitsrisiko, die Befürworter sehen darin den Beweis für die große Sicherheits-Sorgfalt. Beim AKW Isar 1 gab es immer wieder meldepflichtige Ereignisse; Radioaktivität wurde aber nie freigesetzt. 1988 stürzte nur zwei Kilometer vom Kraftwerkskomplex Isar ein Mirage-Kampfflugzeug ab, was zu heftigen Sicherheitsdiskussionen führte. Die deutschen Politiker beurteilen die Atomkraft uneinheitlich. Selbst die CSU ist nicht geschlossen pro AKW. So haben 10 der 15 CSU-Vertreter/innen im Landshuter Stadtrat im Juli 2010 gegen eine Verlängerung der Laufzeit von Isar 1 gestimmt.
Laute Atomlobby. Die Atomwirtschaft wird europaweit lauter. Auch die AKW-Anlage im tschechischen Temelin soll um zwei Blöcke erweitert werden. Würde der Atomindustrie das Geld, das sie von der öffentlichen Hand erhält, gestrichen, würde die Atomenergie zur teuersten Energieform, gibt Thomas Neff zu bedenken. Er verlangt eine entsprechende Änderung der Politik. Eike Bohlken sieht viele Gründe gegen AKWs: Gefährdung durch Störfälle, Terroranschläge, Atomwaffen-Verbreitung und die ungelöste Frage der Endlagerung.