„Gibt man jemandem zehn Schnitzel zu essen und dann zwei Wochen nichts, wird er krank werden. – Pflanzen aber erhalten viel Mineraldünger auf einmal und dann nichts. Die Folge davon ist: Auch sie werden krank, dann wird Medizin verabreicht: Spritzmittel.“
Hermann Pennwieser, studierter Landwirt aus Schwand im Bezirk Braunau, ist Biopionier und „philosophischer“ Bauer. Er beschäftigt sich seit den 80er Jahren mit dem Biolandbau, der Bodenfruchtbarkeit und Nachhaltigkeit. Sein Vater hat ihn schon früh Alternativen zur herkömmlichen Landwirtschaft ausprobieren lassen. 1988 war der Scherzlmaier-Hof in Schwand auf Biolandwirtschaft umgestellt, 1998 übernahm der Sohn den Hof, der heute ein Schweinemast- und Ackerbau-Betrieb ist.
Ernten und danken. Ernten, so übersetzt es Hermann Pennwieser, bedeutet, etwas für sich nutzen oder einsammeln und zwar etwas, das sich erneuert. Sonst wäre es plündern. „Wir sollen uns bewusst halten: Die Ernte liegt letztlich nicht in unserer Macht. Ich kann das Wachsen nicht steuern. Daher darf ich dankbar sein, dass es so ist, Gott dankbar.“ Dankbar ist Pennwieser auch den Konsumenten, die die Produkte kaufen und so die gesunde Lebensmittel-Erzeugung stärken. Dankbarkeit und Zufriedenheit stellt Pennwieser als Geschwisterpaar dar. Mit dem wirtschaftlichen Druck schwinde die Dankbarkeit, weil der Frust mit dem verrückten System steige.
Den Boden nähren. „Oberstes Ziel in der Landwirtschaft“, sagt Hermann Pennwieser, „ist höchste Bodenfruchtbarkeit, langfristig. Nicht die Pflanze ernähren, sondern den Boden! Die Pflanzen holen sich in einem gut versorgten Boden selbst, was sie brauchen.“ Pennwieser setzt das Schnitzel-Beispiel fort: „Es ist daher intelligent, sich nicht anzumaßen zu wissen, was und wie viel jemand braucht, sondern zu schauen, dass sein Kühlschrank voll ist.“ Auf die Bodenfruchtbarkeit setzen, bedeutet, Fruchtfolgen zu beachten und nicht nur auf Früchte zu setzen, mit denen man möglichst viel herausholt.
Verantwortung reicht weiter. Bauern sollten den Boden unter den Füßen nicht verlieren. Pennwieser bezieht in diese Forderung den Boden in Südamerika mit ein, wo Soja, das in heimischen Ställen gefüttert wird, unter Natur-Raubbau-Bedingungen wächst. „Ich bin verantwortlich nicht nur für den Boden vor meiner Haustüre!“ – Eine Gefahr birgt die moderne Technik. Aufgrund der großen Kraft und der Sitzhöhe am Traktor könne man das Gefühl für die Beschaffenheit des Bodens verlieren. Auch Felder, die jemand kilometerweit von seinem Hof weg zupachtet, sind eine Gefahr, den Boden unter den Füßen zu verlieren. „Ich weiß ja gar nicht mehr, ob es dort gerade geregnet hat“, sagt Pennwieser. Ein Bauer müsse hin und wieder über seinen Boden gehen. Er muss den Boden als Beziehungsgeflecht verstehen, in dem Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen miteinander und der Mensch mit ihnen in Verbindung stehen.
Demut und Bescheidenheit. Biolandwirtschaft, dazu hat Pennwieser auch wissenschaftlich publiziert, sei die Weiterentwicklung der herkömmlichen Landwirtschaft. Es gelte, auf Überliefertem aufzubauen und mutig Neues anzugehen. Demut und Bescheidenheit seien dabei wichtig. Ebenso soll neues Wissen genutzt und die Technik als Werkzeug gesehen werden. Pennwieser setzt auf die Zusammenarbeit der Bauern – „viele kleine gut vernetzte Bauern sind auch sehr groß, gleichzeitig viel effizienter und stabiler als Großbetriebe.“ Und er wünscht sich Bauern, die sich nicht vom Getriebe fangen lassen, die wissen, dass das Menschliche zählt. Letztlich ist das Gefühl, gestützt auf Technik und Betriebswirtschaft, entscheidend.