„Ich habe viel Stress. Mir ist alles schon genug. Wir können nichts machen.“ – In diesen drei Sätzen bündelt der Vater der aus Serbien stammenden albanischen Familie (nennen wir sie Familie S.*), wie es ihm und seiner Frau geht. Ihre Zukunft in Österreich ist höchst unsicher.
Der österreichische Staat will – qualifizierte –Zuwanderung. Die Wirtschaftskammer und die Industriellenvereinigung fordern sie, heuer im Sommer haben sich auch Minister/innen dafür ausgesprochen. Bis zum Jahr 2030 brauche Österreich 100.000 Arbeitskräfte, die aus dem Ausland kommen, meinte zum Beispiel Außenminister Spindelegger.
Qualifiziert und integriert. Herr S. ist so eine Arbeitskraft, die von außen gekommen ist. Qualifiziert ist er obendrein. Er hat einen Beruf gelernt, für den es in Österreich zu wenig Interessierte gibt, diesen zu lernen. Und Herr S. hätte eine Firma, die ihn einstellen würde. Aber: Asylantrag negativ, das Ausweisungsverfahren läuft. Familie S. ist in der „Grundversorgung“, die Caritas Oberösterreich bemüht sich um sie. Die Familie kam vor fast sieben Jahren nach Österreich. Das fünfte Kind kam in Österreich zur Welt. Die Geschwister sind alle gut in der Schule und in örtlichen Vereinen integriert. Zuhause wird Deutsch gesprochen. Die älteste Tochter spricht fast akzentlosen oberösterreichischen Dialekt. Familie S. droht nun das Schicksal vieler anderer, die nach Österreich gekommen sind in der Hoffnung, hier eine Zukunft zu haben. Etwa auch jene georgische Familie armenischer Herkunft, die nach negativem Asylbescheid und fruchtloser Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof heuer im Juni abgeschoben wurde.
Arbeit nicht erlaubt. Vater S. will, darf aber nicht arbeiten. Mutter S. braucht wegen der erlittenen Verfolgung im Herkunftsland psychotherapeutische Betreuung. Die Familie lebt in dauernder Anspannung. Der Stress ist groß. In der Herkunftsheimat gibt es kaum noch Bezugspersonen.
Angenommen sein. Der Leiter der Caritas-Abteilung Beratung&Integration, Mag. Johann Schwarzbauer-Haupt, hat am Sonntag der Völker (siehe Seite 6) mit Bezug auf das Motto „Migrantenkind – Hoffnung für die Zukunft“ gemeint: „Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche erleben, dass sie willkommen und angenommen sind und dass sie sich in die Gesellschaft einbringen können.“
* Name und Anschrift der Redaktion bekannt. Zum Thema
Asyl, Abschiebung
In Oberösterreich sind 1450 Asylwerber in der Grundversorgung, betreut von Caritas und Volkshilfe. Durchschnittlich dauert ein Asylverfahren fünf Jahre. Die meisten Asylwerber kommen aus Afghanistan, Tschetschenien, Kamerun, aus dem Iran und Irak. Heuer haben etwa 1.200 Personen das Bleiberecht („gut Integrierte“) zugesprochen und 34 eine Niederlassungsbewilligung aufgrund langen Aufenthaltes („humanitäres Aufenthaltsrecht“) bekommen. 1.667 Personen wurden abgeschoben, 2.863 kehrten freiwillig zurück. „Die Freiwilligkeit ist sehr relativ, wenn es keine Perspektiven mehr gibt in Österreich“, sagt Marion Huber von der Caritas- Flüchtlingshilfe.