4.500 Menschen in Notlagen haben im ersten Halbjahr 2010 bei Caritas-Stellen in Oberösterreich vorgesprochen. Gemeinsam ist ihnen: Die Fixkosten abgezogen bleiben ihnen im Schnitt 7 Euro am Tag zum Leben.
Die Schere zwischen wohlhabend und arm klafft auch in Österreich immer weiter auseinander. Konkret: 70.000 Oberösterreicher/innen leben heute in akuter Armut. Jene, die zur Caritas kommen, sind also nur ein Bruchteil davon. Und diesen Armen will die Kirche in den kommenden Monaten viel Aufmerksamkeit widmen – mit dem Schwerpunkt „Um der Menschen willen – dioezese.linz/sozial“.
Bischof: Mindestsicherung ausbauen. Bei einer Startpressekonferenz am 24. September legte Diözesanbischof Ludwig Schwarz den Finger gleich in einen wunden Punkt in der derzeitigen politischen Diskussion: Vorschläge, Armut durch die Einführung eines Arbeitszwanges bekämpfen zu wollen, wären unwürdig. Die eben eingeführte Mindestsicherung dürfe nicht eingeschränkt werden, sie müsse ausgebaut werden, betonte Schwarz. Mit dem Kommunikationsschwerpunkt „Um der Menschen willen“ wolle man das Engagement für eine gerechtere Welt bestärken, für Menschen in Not einzutreten, gehöre zu den „Eintrittsbedingungen, wenn wir in der Gemeinschaft Gottes bleiben wollen“, so Schwarz. Wie Caritasdirektor Mathias Mühlberger aufzeigte, ist in jedem zweiten Fall, mit dem die Caritas zu tun hat, Arbeitslosigkeit Auslöser von Armut. Doch es gebe viele, die in schlecht bezahlten Berufen, auf Teilzeit-Arbeitsplätzen, möglicherweise alleinerziehend, mit ihrem Lohn nicht auskommen.
Den Menschen dienen. Im Schwerpunktjahr sollen die wirtschaftlichen Zusammenhänge auf kirchlicher Ebene diskutiert werden. In der Diözese und in Pfarren will man auch konkret Wege finden, für Menschen in Not wirksam da zu sein. Dr. Severin Renoldner, Leiter des Sozialreferates in der Diözese Linz, spricht von der Notwendigkeit einer Korrektur der geistig-wirtschaftlichen Fehlentwicklungen, die seit den 80-er Jahren letztlich in die Finanz- und Wirtschaftskrise geführt haben. Diese Korrektur wird lange dauern, meinte er. Leitsatz müsse der schlichte Satz aus der christlichen Soziallehre sein: „Die Wirtschaft muss dem Menschen dienen.“