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Die Katholische Frauen- und Männerbewegung setzen sich bei ihrem gemeinsamen Diözesantag diesen Samstag, 16. Oktober, in Wels mit der „Machbarkeit des Lebens“ auseinander. Dazu haben sie einen der weltweit führenden Humangenetiker eingeladen: Dr. Markus Hengstschläger.
Bereits vier Millionen Kinder wurden weltweit nach einer künstlichen Befruchtung geboren. Die Vergabe des Medizin-Nobelpreises 2010 an den „Vater“ der künstlichen Befruchtung, Robert Geoffrey Edwards, hat die Frage nach der „Machbarkeit“ des Lebens neu wachgerufen. Doch „Machbarkeit“ geht über die Zeugung außerhalb des Mutterleibes weit hinaus. Für Univ.Prof. Dr. Markus Hengstschläger betreffen die neuen Herausforderungen ebenso das Altern. Eines seiner Forschungsanliegen: Die Entstehung von Krankheiten besser verstehen zu lernen, um daraus Werkzeuge sowohl für die Vorbeugung als auch für die Therapie zu entwickeln, wie er am 6. Oktober bei einem Vortrag in der Raiffeisenlandesbank OÖ in Linz betonte. Auch in der Kirche will man sich der Thematik auf breiter Basis stellen. „Das Thema betrifft Frauen in besonderer Weise – von den Untersuchungen während einer Schwangerschaft bis hin an das Lebensende“, betont Erika Kirchweger, die Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung in der Diözese Linz. Es geht nicht nur um den Beginn des Lebens. Frauen sind in der Pflege von Angehörigen gefordert.“ Auch hier stellen sich ethische Fragen. Der gemeinsame Diözesantag soll ein Impuls sein, den Fortschritt in der Forschung differenziert anzuschauen. Was dient dem Leben und was gefährdet Leben, vor allem: Wer verfügt über das Leben?Kirchweger wünscht sich, dass man die Wissenschaft nicht sich selbst überlässt , sondern dass Männer und Frauen sich auf breiter Ebene mit der Thematik befassen.
Um der Menschen willen. Dr. Franz Gütlbauer, Obmann der Katholischen Männerbewegung, sieht das Thema in einer Linie mit dem diözesanen Kommunikationsschwerpunkt „um der Menschen willen“. Unser Hauptanliegen ist der Mensch, als Einzelner ebenso wie im Miteinander. Dass man über Menschen nicht einfach verfügen darf, ist ein Kernanliegen der Männerbewegung.
INTERVIEW
Von der Stammzellenforschung bis zur Bioethik reichen die Forschungsgebiete von Dr. Markus Hengstschläger. Auch als Buchautor ist er erfolgreich. Die KirchenZeitung befragte ihn:
Dem Leben Jahre geben
Was ist in Bezug auf das menschliche Leben für einen Humangenetiker das erreichbare Forschungsziel?
Markus Hengstschläger: In meinem Vortrag in Wels spreche ich die neuesten Entwicklungen des Alterns an. Hier wurde durch die Humanmedizin in den letzten 500 Jahren bereits Enormes erreicht. Aber es wird sicher noch mehr erreicht werden. Das Ziel ist allerdings in keinster Weise, das Leben möglichst lang zu machen, sondern eine hohe Lebensqualität ins hohe Alter zu erhalten. Nicht dem Leben Jahre zu geben, sondern den Jahren Leben zu geben – ist das Ziel.
Wo sehen Sie Grenzen der Entwicklung in diesem Bereich?
Nicht alles, was machbar ist, muss oder soll gemacht werden. Es muss darauf geachtet werden, dass es stets zum Wohl und Vorteil des Einzelnen ist. Es geht im Kern nicht um die bedingungslose Anwendung moderner Technologien der Humanmedizin, sondern um den Menschen und den natürlichen Prozess des Älterwerdens mit all seinen Besonderheiten.
Was erwarten Sie von Kirchen?
Im theoretischen Bereich geht es um die Bewusstseinsbildung betreffend die oben angesprochenen Aspekte. Im praktischen Bereich – Seelsorge, Altenpflege, Krankenpflege, Kampf gegen die Vereinsamung, Kampf gegen Armut – können und tun die Kirchen sehr viel.
Univ.Prof. Mag. Dr. Markus Hengstschläger, Professor und Vorstand für Medizinische Genetik, Universität Wien. Bücher: „Endlich Unendlich“ (2008), „Die Macht der Gene“ (2006).