Die Kirche hilft mit, dass das soziale Netz im Land nicht verloren geht. Die Kirchenbeitragszahler/innen machen es möglich.
688.000 Katholikinnen und Katholiken gelten in Oberösterreich als kirchenbeitragspflichtig. Sie sorgen für das wirtschaftliche Rückgrat ihrer Glaubensgemeinschaft in Oberösterreich. 75,5 Millionen Euro haben sie im letzten Jahr eingezahlt. Das ist Geld, sagt Kirchenbeitragsreferent Alois Dambachmayr, das zu fast 60 Prozent direkt in die Pfarren zurückfließt: Die Pfarrseelsorger/innen werden daraus bezahlt, Bauprojekte und pfarrliche Anlagen werden mitfinanziert. Über 100 von den 487 Pfarren bekommen von der Diözese mehr Geld, als an Kirchenbeitragseinnahmen aus diesen Pfarren hereinkommt. Einen Finanzausgleich zwischen „armen“ und reicheren Pfarren zu schaffen, ist derzeit ein Ziel.Dass der Kirchenbeitrag vor allem die Kirche in der eigenen Umgebung lebendig hält, will die Diözesanfinanzkammer noch deutlicher bewusst machen. Das wird ab sofort auf den Kirchenbeitrags-Vorschreibungen sichtbar. Es befinden sich darauf auch Informationen aus der eigenen Pfarre.Die Kirchenbeitragsgelder bleiben ständig im Umlauf. Es ist also Geld, mit dem nicht spekuliert wird, sondern das unmittelbar in den Wirtschaftskreislauf zurückfließt, versichert Dambachmayr: in die Gehälter der Seelsorger/innen und sonstigen Angestellten, in die regionale Wirtschaft durch die Bauprojekte. Wenn Geld für gesetzlich geforderte Rücklagen veranlagt wird, geschieht dies nach ethischen Kriterien. Die Diözese Linz war die erste, die in Österreich diesen Weg konsequent eingeschlagen hat.
Kirche stützt das soziale Netz. Mit ihrem Kirchenbeitrag helfen die Menschen, dass das soziale Netz im Land erhalten bleibt. Werden seitens der Politik Sozialleistungen zurückgefahren, so will die Kirche in diesem Bereich um so mehr „verlässlich“ bleiben. Gerade in der wirtschaftlichen Krisenzeit hat die Diözese Linz das Sozialanliegen in den Mittelpunkt gerückt – mit dem Jahresschwerpunkt „um der Menschen willen“. Das soziale Netz der Kirche baut auf eine gute Vernetzung sozialer Einrichtungen und vieler ehrenamtlicher Helfer/innen, vor allem in den Pfarren. Dass Not gesehen wird, dafür haben vor allem die Ehrenamtlichen in den Pfarren ein gutes Auge. Niemand soll unentdeckt vereinsamen oder verwahrlosen. Um wirksam helfen zu können, braucht es aber auch professionelle Einrichtungen. Dambachmayr möchte stärker bewusst machen: „Wem schade ich eigentlich, wenn ich aus der Kirche austrete?“
Wahrhaftigkeit. Negative Ereignisse haben 2010 zu einem deutlichen Anstieg der Kirchenaustritte geführt. Karl Gsöllpointner aus Losenstein bekommt es hautnah zu spüren: Als Kirchenbeitragsberater versucht er seit 20 Jahren auch mit Ausgetretenen ins Gespräch zu kommen. „So schlimm wie jetzt war es noch nie“, sagt er. Wenn Bischofsernennungen nicht den Vorstellungen entsprachen, da konnte man mit den Menschen noch reden. Aber dieses Fehlverhalten von Priestern – da war für viele Schluss. Wir dürfen nichts schönreden, sagt Gsöllpointner. Nur eine wahrhaftige Kirche ist für die Menschen eine glaubwürdige Kirche. Und: Sie soll auch beim Thema Kirchenbeitrag mit sich reden lassen, sagt Gsöllpointner. Besonders Jugendliche müssten ein Entgegenkommen spüren. „Gescheit reden allein hilft nichts.“Zur Glaubwürdigkeit der Kirche tragen – so sieht es Alois Dambachmayr – die Katholikinnen und Katholiken selber bei.
ZUM THEMA
Rund 180.000 Oberösterreicher/ innen erhalten in diesen Tagen die Kirchenbeitragsvorschreibung für das 4. Quartal 2010.
Die Kirchenbeitragsstellen sind bei der Festlegung des Kirchenbeitrages auf Schätzungen angewiesen – oder eben auf die persönlichen Angaben. Bei Unklarheiten ist es sinnvoll, sich an die zuständige Kirchenbeitragsstelle zu wenden.
200 Euro steuerfrei. Seit 2009 kann der Kirchenbeitrag bis zu 200 Euro steuerlich abgeschrieben werden.
Bonus. 3 Prozent Bonus gibt es beim Abschluss eines Abbuchungsauftrages. Für erstmals beitragspflichtige Jugendliche gibt es zusätzlich einen Bonus bis zu 60 Euro.Ebenso 3 Prozent Bonus gibt es für Frühzahler, die zu Jahresbeginn den Jahresbetrag einzahlen. Über Abzüge für Kinder, Schule, Studium und Familie informiert die Kirchenbeitragstelle.
Alle Informationen auch auf: www.dioezese-linz.at/kirchenbeitrag