Inge und Roman sind beide Mitte 40 und haben drei Kinder. Sie sind als Paar in eine große Krise geraten und dementsprechend verzweifelt.
Ausgabe: 2017/04
24.01.2017
- Paula Wintereder
Roman hat eine Außenbeziehung begonnen und Inge hat dies zufällig entdeckt. Dass ein Ehepartner diesen „Beziehungsausgang“ benützt, anstatt auszusprechen, was ihr/ihm fehlt, ist ein häufiges Phänomen.
Fehlende gemeinsame Zeit
Inge und Roman sind berufstätig. Es hatte sich so eingespielt, dass die Frau neben der Teilzeitarbeit auch Haushalt und Kinder versorgte. Somit hielt sie ihrem Mann den Rücken für seine Karriere frei. Gemeinsame Zeit ist zur Mangelware geworden, gelebte Zärtlichkeit und Sexualität, dazu hat die Energie gefehlt.
Der geliebte Mensch bricht das Vertrauen
Der geliebte Mensch, auf den man sich jahrelang bedingungslos und beinahe blind verlassen konnte, wird zur Enttäuschung. Inge wird von „ihrem“ Roman hintergangen. Er lebt seine Bedürfnisse bei einer anderen Frau aus. Und sie „deckt“ ihn auch noch selber auf. Die Beziehung bekommt einen Riss, Vertrauen geht verloren, vor allem bei Inge.
Sich der Krise stellen
Es bleibt nicht aus, dass der Weg zurück in die Beziehung schmerzhaft, zeitraubend und ergebnisoffen ist. Inge und Roman, deren Liebe noch nicht ganz gestorben war, lassen sich auf ein gemeinsames Ringen, Trauern und Dazulernen ein. Jetzt ist es an der Zeit, neben dem Gelungenen und gut Gemeisterten in der Paarbeziehung auch das Verlorengegangene und das Schmerzhafte im Eheleben ans Tageslicht zu bringen. So besteht die Möglichkeit, dass aus der Krise letztendlich eine Chance werden kann.
Unterstützung in der Beratung
Als Beraterin vermeide ich in dieser Situation jegliche Schuldzuschreibung. Vielmehr unterstütze ich das Paar einfühlsam dabei, sich den eigenen Themen und Anteilen zu stellen, dem Schmerz und dem „Versagens-Gefühl“ Raum zu geben. Ich bleibe auch dann an der Seite, wenn es nicht weitergeht, wenn es ein „Treten auf der Stelle“ zu sein scheint. In „Amoris Laetitia“ schreibt Papst Franziskus: „So sehr es auch offensichtlich erscheinen mag, dass die ganze Schuld beim anderen liegt, ist es doch niemals möglich, eine Krise zu überwinden, wenn man erwartet, dass nur der andere sich ändert. Man muss sich auch nach den Dingen fragen, in denen man selber reifen oder ausheilen könnte, um die Überwindung des Konfliktes zu fördern.“
Der Ausgang bleibt offen
Auch wenn es mir und uns allen ein großes Anliegen sein muss, dass Beziehungen gelingen, schon allein wegen der betroffenen Kinder, liegt die Entscheidung beim Paar. In diesem Sinne werden Inge und Roman selbstverantwortlich ihren Weg gehen und somit auch ihre Entscheidung treffen. Ich kann sie dabei unterstützen, dass es eine möglichst gute Entscheidung wird. Diesen Dienst benennt Papst Franziskus wie folgt: „Darum besteht unsere wichtigste pastorale Aufgabe in Bezug auf die Familie darin, die Liebe zu stärken und zur Heilung der Wunden beizutragen“ (AL 246). Bei Fragen und Problemen wenden Sie sich an: Beziehung Leben, Partner-, Ehe-, Familien- und Lebensberatung, Kapuzinerstraße 84, 4020 Linz, Tel. 0732/77 36 76.