In den Tagen vor Weihnachten besuchen Bischof Ludwig Schwarz und Altbischof Maximilian Aichern die oberösterreichischen Gefangenenhäuser – damit auch die zehn Gefängnisseelsorger/innen, die das ganze Jahr für die Gefangenen da sind.
Große Offenheit für Glaubensfragen erlebt Mag. Georg Kamptner als Gefangenenseelsorger in der Justizanstalt Garsten. „90 Prozent bezeichnen sich als religiös“, war Kamptner überrascht, als er vor mehr als zehn Jahren diese Aufgabe im Gefängnis in Garsten übernahm. Viele beginnen im Gefängnis wieder zu beten. Besonders bei Häftlingen mit langen Haftstrafen sei dies der Fall. Viele erlebten im Gefängnis das „Erschrecken über sich selbst“, mit der Frage: Was soll jetzt aus mir werden? Gibt es ein Weiterleben mit der Schuld? Nach etwa fünf Jahren Haft brechen bei den meisten die Außenbeziehungen ab, erzählt Mag. Gudrun Schnaubelt, ebenfalls Seelsorgerin in Garsten und im Untersuchungsgefängnis in Steyr. Es komme vermehrt zu Scheidungen, Angehörige und Freunde brechen den Kontakt oft ab. Sie kämpfen mit dem Gefühl der Verlassenheit. Das kann besonders zu Weihnachten sehr schmerzlich sein.Im Evangelium ist die Sorge um Gefangene ein Grundauftrag – und da wird nicht nach Schuld oder Unschuld gefragt, meint Dr. Helmut Eder. Er ist Leiter der Gefangenenpastoral für die insgesamt sieben Strafvollzugsanstalten in Oberösterreich.
Neue Ziele setzen. Die Gefangenenpastoral wird in ökumenischer Zusammenarbeit ge-leistet. Für den evangelischen Pfarrer Mag. Friedrich Rössler geht es vor allem darum zu helfen, dass Häftlinge sich nicht einfach gehen lassen, sondern dass sie sich Ziele für ihren Alltag und ihr Leben setzen. Die Seelsorger/innen erleben eine große Offenheit seitens der Anstaltsleitungen, aber auch die Bischöfe zeigen mit ihren Besuchen vor Weihnachten, für wie wertvoll sie diese Seelsorge halten. Dabei arbeiten die Seelsorger eng mit Psychologen und Sozialarbeitern in den Anstalten zusammen. Oft werden sie auch von Häftlingen darauf aufmerksam gemacht, wenn es jemandem besonders schlecht geht. Mindestens ein Drittel der Häftlinge in Garsten nimmt die Gesprächsangebote der Seelsorger/innen in Anspruch.