Die Nerven der Menschen sind wenige Wochen vor der Volksabstimmung am 9. Jänner 2011, bei der über die Unabhängigkeit des Südsudan entschieden wird, äußerst angespannt, erzählt der Priester Nicholas Kiri: „Wie immer das Referendum ausgeht, wir wollen keinen Krieg.“
Nicholas Kiri ist in Oberösterreich, um über die Lage und die Kirche seines Heimatlandes zu informieren. Fünf Jahre hält nun schon der Friede zwischen der muslimischen Zentralregierung mit Sitz in der Hauptstadt Khartum und der Regionalregierung im christlich dominierten und an Ölquellen reichen Süden des Landes. Da nach menschlichem Ermessen die Bevölkerung im Süden am 9. Jänner 2011 für die Unabhängigkeit stimmen wird, ist es wichtig, im Vorfeld alles zu tun, dass es nicht wieder zum Bürgerkrieg kommt, so Kiri. Die katholische Kirche steht im Südsudan in hohem moralischen Ansehen. Sie hat zu einem 101-tägigen Gebet aufgerufen, das noch bis 1. Jänner 2011 dauert und das auf rege Beteiligung stieß. Der sudanesische Priester bittet auch die österreichischen Christen, sich dieser Initiative anzuschließen.
Bei den Armen. Seit 1997 hat Kiri Kontakte in die Diözese Linz. Pfarrer Karl Gruber und Pastoralassistentin Sr. Rosmarie Süss, zu dieser Zeit in Molln tätig, finanzierten – unterstützt von Pfarrmitgliedern und Gruppen – das Grund- und Doktoratsstudium von Dr. Nicholas. Sie helfen ihm auch weiterhin – so wie beim jetzigen Besuch. Kiri hat vor einem Jahr seine Professur am Priesterseminar in der Hauptstadt aufgegeben und ist in seine Heimat, den Süden, zurückgekehrt. „Ich gehöre zu den armen Menschen. Dort werde ich mehr gebraucht als an der Hochschule“, sagt er. Er ist eine Art „Pastoralamts-Direktor“. Seine Aufgabe sieht er hauptsächlich in der Schulung der Gläubigen, damit sie in Kirche und Gesellschaft Leitungsverantwortung übernehmen können – vor allem beim Aufbau des neuen Staates mit der Hauptstadt Juba, der nach dem zu erwartenden Ausgang des Unabhängigkeitsvotums entstehen wird. Der Friede braucht Bildung, ist sein Credo.