2006 hat das Land OÖ die Delogierungs-Prävention, finanziert aus Landesmitteln, eingeführt. Die Caritas wurde mit dieser Aufgabe im Innviertel beauftragt. Sie ist gemeinsam mit den Gemeinden und Sozialberatungsstellen Anlaufstelle für sämtliche Anliegen rund um Delogierungsprävention.
Das Schicksal von Herrn Stefan* ist typisch für die Not, mit der die Mitarbeiterinnen der Wohnungssicherung konfrontiert sind. Seit zwei Monaten wohnt Herr Stefan wieder. Vorher führte er zehn Monate ein „ungewohntes“ Leben auf der Straße, hielt sich in Tankstellen auf, denn „Wirtshäuser sind zu teuer“.
Schlafen im Auto. „Es ist blöd, wenn man zwei Stunden bei einer Tasse Kaffee sitzt“, schildert er dieses Leben ohne Rückzugsmöglichkeit. Nachts fand er bei Freunden Unterschlupf. In den letzten Wochen schlief er im Auto. In diese Situation kam er , nachdem er arbeitslos geworden war und sich seine Frau von ihm trennte. Durch die Hilfe der „Wohnungssicherung“ hat er vor zwei Monaten eine Garconnière beziehen können. „Jetzt geht es kleinweis bergauf. Ich kann mich auch wieder zurückziehen.“ Er hat eine Arbeit in Aussicht und seine Kinder können ihn wieder besuchen.
Notschlafstelle fehlt. „Es bräuchte auch eine Notschlafstelle.“ Im Innviertel gibt es diese Möglichkeit nicht, Menschen kurzfristig ein Dach überm Kopf anbieten zu können, wie das etwa „Mosaik“ in Vöcklabruck macht. Auf diesen Mangel kommen DSA Gertrude Wakolbinger und Mag. Susanne Stummer mehrmals zu sprechen. Sie führen die Caritas-Beratungsstellen des Netzwerkes Wohnungssicherung in Ried, Braunau und Schärding. Etwa 140 Haushalte, in denen mehr als 350 Personen leben, suchten im vergangenen Jahr Hilfe bei ihnen. Für die beiden Beraterinnen bedeutet dies in jedem Fall intensive Arbeit über mehrere Monate. „In kurzer Zeit ist sehr viel zu tun“, sagt Gertrude Wakolbinger. Denn es ist zunächst abzuklären, wie die finanzielle Situation der Betroffenen ist: Hat es einen Sinn, die Delogierung zu verhindern, oder ist es viel eher geboten, in eine leistbarere Wohnung zu wechseln. Wichtig ist die Zusammenarbeit mit Gemeinden und Wohnungsgenossenschaften.
Drückende Schulden. Die soziale Situation derer, die vor einer Delogierung stehen, ist immer prekär. Viele sind arbeitslos, beziehen Notstands- oder Sozialhilfe, sind alleinerziehend oder müssen von einer kleinen Pension, oft auch einer Invaliditäts-Pension leben. Schulden mit hohen Rückzahlungsraten engen den finanziellen Spielraum extrem ein.
* Name von der Redaktion geändert
Eine Schlafstellein Notsituationen
Stark steigende Nächtigungszahlen verzeichnet die Not-schlafstelle der Wohnungslosenhilfe Mosaik in Vöckla-bruck. Erstmals seit Bestehen dieser Einrichtung wurden heuer – und das schon Ende November – 2000 Nächtigungen im Jahr erreicht. Stefan Hindinger, Leiter der Notschlafstelle, meint dazu: „Eine traurige Bilanz!“ Arbeitslosigkeit, Krankheit, Scheidung und Verschuldung sind die Hauptproblemlagen der Klientinnen und Klienten. Das Sozialzentrum Vöcklabruck, Träger der Wohnungslosenhilfe Mosaik, hat vor Weihnachten wieder die Spendenaktion „Ein Bett für den Winter“ gestartet.
www.sozialzentrum.org
G’schäftl
Der „Rieder Sozial Verein“ hat für Menschen mit geringem Einkommen den Sozialmarkt „G’schäftl“ in der Bahnhofstraße 36, 4910 Ried, eröffnet. Er hat Montag, Mittwoch und Freitag von 14 bis 17 Uhr geöffnet.
Lichter gegen Armut
Die Caritas lud am 16. Dezember zur Aktion „Eine Million Sterne“ auf den Domplatz in Linz ein. Die Akzente setzten neben den etwa 1400 Kerzen, die entzündet wurden, Märchenerzähler Helmut Wittmann, Bockpfeifer Franz Bernegger, Caritasdirektor Mathias Mühlberger und der Bischofsvikar für Caritas und soziale Aufgaben, Prälat Mag. Maximilian Mittendorfer. Sie alle haben bei klirrender Kälte Zeichen für Menschen in Not gesetzt.