Christliche Kirchen stehen in einem unabsehbaren Wandel
Ausgabe: 2011/03, Sicht, Kirche, Wandel, Paul M. Zulehner, Severinakademie
19.01.2011
Die Kirchen hören auf, religiöse Herrschaftsformen zu sein. Und: Das Christentum ist zu einer Absteigerreligion geworden. Der Grazer Pastoraltheologe Rainer Bucher zeichnete bei einem Vortrag im Bildungshaus Puchberg am 14. Jänner ein ernüchterndes Bild der Kirchen. Nichts wird bleiben, wie es ist. So, wie vor 30 Jahren niemand vorhergesehen hätte, dass die kommunistischen Staatssysteme zusammenbrechen würden oder dass es so etwas wie Internet gibt, könne heute niemand eine verlässliche Voraussage machen, was die Kirche der Zukunft betrifft. Es wäre nur „Fahren auf Sicht“ möglich. Die gegenwärtige Krise könne die Kirche von falschen Sicherheiten befreien. „Sie stürzt uns in eine Phase der Unsicherheit, des Betens und des Glaubens“, so Bucher.
Paul Zulehner bei Severinakademie. Bereits am 11. Jänner war der Wiener Pastoraltheologe Paul Michael Zulehner Gast bei der überaus gut besuchten Severinakademie des Forums St. Severin in der Kath.-Theologischen Privatuniversität Linz. Wie bereits in unserer letzten Ausgabe dargestellt, sprach Zulehner dabei von einer „unglaublichen Umbaukrise“ der Kirche. „Wir sehen noch nicht deutlich genug, was da im Kommen ist“, meinte er. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es nicht doch einen Schritt nach vorne gibt“, erwartet sich Zulehner in absehbarer Zeit Veränderungen in der Frage des Diakonats der Frau und im kirchlichen Umgang mit Wiederverheirateten. „Der Fluss tritt über die Ufer“, denn vielen Gläubigen sei das Flussbett der Kirche zu eng geworden, meinte Zulehner.