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„Das Bitten und Betteln ist entwürdigend“

Ausgabe: 2011/06, bitten, betteln, Marcel Callo, Diskussion, Mindestsicherung, Stockinger, Rabmer-Koller
09.02.2011


Der Fachausschuss Soziales der Pfarre Marcel Callo (Linz-Auwiesen) organisierte am 3. Februar eine Diskussion zur Mindestsicherung. Das Fazit des Abends: Gut, dass es die Mindestsicherung gibt, aber sie gehört weiterentwickelt.

„In Auwiesen arbeiten viele Menschen hart um ihr täglich Brot und trotzdem reicht es nicht“, erklärte Ulrike Hofer, Leiterin des Fachausschusses Soziales der Pfarre Marcel Callo, wieso gerade hier die Mindestsicherung ein brennendes Thema ist. So leben in Linz-Auwiesen überdurchschnittlich viele Empfänger von Sozialleistungen. Diese müssen die ab 1. April eingeführte Mindestsicherung auch künftig übers Sozialamt beantragen. Für Susanne Stockinger vom Verein Arbeitslose helfen Arbeitslosen ein großer Schwachpunkt: „Das Bitten und Betteln auf dem Sozialamt ist für viele entwürdigend“, kritisierte Stockinger, die selbst lange Zeit arbeitslos war. Sie hätte die ursprüngliche Idee, dass die Mindestsicherung beim Arbeitsmarktservice (AMS) beantragt werden kann, bevorzugt. Auch aus dem Publikum meldeten sich dazu viele Betroffene zu Wort, die sich am Sozialamt in der Vergangenheit schlecht behandelt fühlten.

Zu viele Anträge. Eva Heschik vom Sozialamt des Magistrats Linz wies darauf hin, dass Linz seit September 2010 gemeinsam mit Vöcklabruck Pilotstadt ist, was die neue Mindestsicherung betrifft. Durch die ursprünglich eingeführte offensive Möglichkeit zur Antragstellung beim AMS hat sich die Zahl der täglich eintreffenden Anträge verfünffacht. Deshalb ist man wieder zur Praxis übergangen, dass die Anträge direkt am Sozialamt mit Hilfe eines Sozialarbeiters gestellt werden, um mögliche Fehler von vornherein auszuschließen. Zudem erklärte Heschik, dass sie sich persönlich sehr für große Kundenfreundlichkeit am Sozialamt einsetze.

Höherer Betrag erwünscht. Soziallandesrat Josef Ackerl sagte in seinem Statement, dass für ihn die Höhe der Mindestsicherung in Oberösterreich zu niedrig sei. Allerdings sei in Oberösterreich ein Kompromiss gelungen, sodass in Summe die Mindestsicherung 13 Mal ausbezahlt wird.
„Arbeit ist das beste Mittel zur Armutsbekämpfung“, betont Ulrike Rabmer-Koller, Vizepräsidentin der oberösterreichischen Wirtschaftskammer. Sie sieht in der Mindestsicherung vor allem ein Sprungbrett, damit Menschen wieder den Weg in die Arbeitswelt und raus aus der Armutsfalle schaffen.
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