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Vom Stift zum Gaugut

Prämonstratenser gedenken der Ereignisse vom April 1941
Ausgabe: 2011/18, Stift, Schlägl, Gaugut, Prämonstratenser, Chorherren
04.05.2011
- Josef Wallner
Die Prämonstratenser Chorherren und die Mitarbeiter/innen der Stiftsbetriebe kamen am 29. April 2011 – genau am 70. Jahrestag der Beschlagnahmung des Klosters durch die Nationalsozialisten – zum Gebet in der Stiftskirche und zu einem Vortrag von Johann Großruck zusammen.

Nur drei Tag vergehen seit dem Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich bis das Stift Schlägl am 15. März 1938 von der Berliner Schutzpolizei und Nationalsozialisten aus Aigen, die als Helfer dienten, umstellt und nach Waffen durchsucht wurde. Da man außer alten Vorderladern nichts fand, mussten sie wieder abziehen. Aber die Chorherren erhielten eine Ahnung von dem, was kommen sollte. Schulen des Stiftes wurden aufgehoben und im März 1940 mussten Südtiroler Umsiedler beherbergt werden. Sie waren – in den Worten Heinrich Himmlers – als „deutscher Kulturdünger“ für Mähren gedacht. „Die Nationalsozialisten haben von Anfang an die Raumressourcen der Stifte für ihre Projekte im Auge gehabt“, erklärt Johann Großruck. Wenig später musste das Stift Schlägl – wie eine Reihe anderer Stifte auch – deutsche Rücksiedler aus Bessarabien (heute Moldawien und Ukraine) und der Bukowina (heute Ukraine und Rumänien) aufnehmen. Mit 580 Personen war das Stift mehr als überbelegt.

Zur Selbstbedienung. Hatten die Chorherren bislang schon wenig in ihrem Gebäude zu bestimmen, drang am 29. April 1941 die Gestapo ein, und nach Tagen demütigender Verhöre begann am 1. Mai die Delogierung der Chorherren, die nur das Notwendigste mitnehmen durften. Das Gaugut Schlägl, wie das Stift nun hieß wurde zum Selbstbedienungsladen für die NS-Orts-Kriegs- und Gauleitung, erläutert Großruck. Über 20 verschiedene Ins-titutionen waren eingemietet, von Wohnungen über Forschungsstellen – die Gauleitung kassierte dafür Miete. Auch der Stiftsforst war wirtschaftlich interessant und lieferte – wegen des kriegsbedingten Kohlemangels – Generatorenholz.

Der Neuanfang. Am 4. Mai 1945 war im Oberen Mühlviertel der Krieg zu Ende, am 16. Mai erhalten die Schlägler Chorherren wieder ihre alten Rechte. In den 1950iger Jahren wurden dem Stift Schlägl wie den übrigen Klös-tern Oberösterreichs in einer einmaligen Zahlung von 450.000 Schilling die entstandenen Schäden abgegolten. Großruck stellt aber klar: „Der Betrag glich nicht die tatsächlichen Schäden aus.“





Zur Sache

1941 – ein Schicksalsjahr für Oberösterreichs Stifte

Im Stift Wilhering führte bereits am 12. März 1938 die deutsche Reichspolizei unterstützt von der lokalen SA eine Razzia durch, die übrigen Stifte erhielten in den folgenden Tagen „Besuch“. Vom „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich nahm der Druck auf die acht oberösterreichischen Stifte und das Stift Hohenfurt (heute Tschechien) ständig zu, bis schließlich St. Florian, Schlägl, Kremsmünster, Lambach, Wilhering, Hohenfurt und Engelszell formell aufgehonen wurden. In Stift Reicherberg war die Deustche Luftwaffe eingemietet, in Schlierbach waren ebenfalls die Räume von NS-Institutionen belegt, aber für eine Aufhebung war vermutlich die wirtschaftliche Macht des Stift nicht attraktiv genug.

Beschlagnahmungen. Das Stift Engelszell, das erst 1925 von aus dem Elsass vertriebenen Trappisten wieder besiedelt worden war, war das „Pilotprojekt“ für den nationalsozialistischen Klosterraub in Oberösterreich. Es wurde bereits im Juli 1939 beschlagnahmt und die Patres vertrieben. Das Jahr 1941 brachte für die übrigen Klöster die Beschlagnahmung aus „staatspolizeilichen Gründen“: am 3. April 1941 für Kremsmünster, am 17. April (endgültig) für Hohenfurt, am 21. April für St. Florian, am 29. April für Schlägl, am 4. Juli für Lambach und am 16. November für Wilhering. Mit Datum vom 22. November 1941 folgte für alle Häuser der Enteignungsbescheid.

Zerstreut leben. Die Patres und Brüder mussten mit der Beschlagnahmung ihr Stift verlassen, bis auf einzelne Ordensleute, die als Verwalter oder Buchhalter bleiben konnten. Die übrigen mussten neue Wohn-möglichkleiten - in Pfarren oder bei Verwandten suchen, andere worden zur Wehrmacht einzogen und eine Reihe von Mönchen wurde auch verhaftet.
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