Den Armen und Kranken, den Schwachen in der Gesellschaft insgesamt, weiß sich die Kirche in besonderer Weise verpflichtet. Mit einem „biofairen Frühstück“ am Linzer Domplatz setzt die katholische Kirche am kommenden Samstag noch einmal einen Akzent zum Jahresthema „Um der Menschen willen“.
Das war konkret – und deshalb haben die Pfarren mit diesem Thema viel anfangen können. Wilfried Scheidl von der Pfarr-Caritas war seit Herbst 2010 bei einer Reihe von Pfarrgemeinderäten im Welser Raum unterwegs. Unter dem Motto „Um der Menschen willen“ hat die katholische Kirche in Oberösterreich das Augenmerk zuletzt stark auf die konkreten sozialen Herausforderungen gelegt. Dieses Schwerpunktthema fand vor allem in den Pfarren großen Widerhall. Wenn es etwa in Bad Schallerbach künftig einen Besuchsdienst für die Kranken der Pfarre geben wird, ist das nur eine der Früchte des Prozesses.
Ins Zentrum gerückt. Sozialarbeit in Pfarren ist zeitaufwändig – und sie geschieht eher im Stillen. In diesem Jahr stand ihre Arbeit im Zentrum der kirchlichen Aufmerksamkeit. „Es war ein eher stiller Auftritt der Kirche, aber das ist ja nichts Schlechtes“, meint Sozialreferent Severin Renoldner. Sehr still war es im letzten Jahr bei einer ganzen Reihe der von der Diözese angebotenen Pressekonferenzen über Sozialthemen. Selbst Journalist/innen, die viel gewohnt sind, hörten mit großer Aufmerksamkeit zu, wenn etwa die Gefangenenseelsorger/innen von Garsten erzählten, was sie in ihrem Alltag erleben, oder wenn die Mitarbeiter/innen der Krankenhausseelsorge oder von der Telefonseelsorge Einblick in ihren Alltag gaben. „Da hätte man manchmal eine Stecknadel fallen hören können“, erzählt die Leiterin des Kommunikationsbüros Gabriele Eder-Cakl. Zusammen mit Helmut Außerwöger hat sie „Um der Menschen willen“ koordiniert. Nicht nur in den landesweiten Medien fanden diese Themen viel Widerhall. Ein ganzer Stapel mit Beiträgen aus Pfarrblättern zeigt, wie stark das „stille“ Echo auf den Jahresschwerpunkt bisher war. „Hier traut man der Kirche Kompetenz und Glaubwürdigkeit zu“, vermutet Eder-Cakl. Auch Wilfried Scheidl bestätigt das: „Die im letzten Jahr so dominanten Themen um Missbrauch und Gewalt sind für die Leute die eine Sache. Dass aber die Kirche insgesamt für die Menschen im Sozialen Großartiges leistet, wissen die Menschen trotzdem zu schätzen.“Die Leute würden auch erwarten, dass sich die Kirche in diesen Themen zu Wort meldet.
Mehr Gerechtigkeit. Auch politisch hat die Kirche auf die Sozialanliegen immer wieder hingewiesen. Am 5. November wurden im Rahmen eines Marsches durch Linz unter dem Titel „Lichtblicke“ die „Perspektiven für eine gerechtere Gesellschaft“ verdeutlicht. Eine gerechte Gesellschaft kann man nicht einfach herstellen, meint Severin Renoldner. Man könne aber wachsamer dafür werden. Und das ist seiner Einschätzung nach in diesem Jahr gelungen. Gerade in der Zeit der Wirtschaftskrise wäre es wichtig gewesen, darauf zu achten, dass man nicht die ohnehin schon Benachteiligten für die Krise auch noch zahlen lässt.
Zur Sache
Kirche lädt zum biofairen Frühstück
Über tausend Frühstücks-Portionen warten gratis am kommenden Samstag, 14. Mai, zwischen 9 und 11.30 Uhr auf Gäste auf dem Linzer Domplatz. Die katholische Kirche in Oberösterreich und Welthaus laden dazu im Rahmen des diözesanen Schwerpunktes „Um der Men-schen willen“ ein. Schüler/innen der HLFS Elmberg bereiten das Frühstück aus regionalen und biofair gehandelten Produkten zu. Ebenso kann man an Ort und Stelle biologische und fair gehandelte Produkte erwerben und man kann, wenn man möchte, Bio-Butter selber rühren. Schüler/innen der Kreuz-schwesternschule gestalten eine Frühstückszeitung. Als Gäste haben sich unter anderem Landeshauptmann Josef Pühringer und Generalvikar Severin Lederhilger angesagt.
Welthaus engagiert sich seit 2004 mit der Aktion „biofaire Früh-stücke und Jaus’n“ mit bisher mehr als 10.000 Teilneh-mer/innen in Gemeinden, Pfarren und Schulen für weltweiten fairen Handel sowie biologische und regionale Produkte. Ein nachhaltiger Lebensstil für alle Menschen auf dem Planeten soll so möglich werden.
- Biofaires Gratis-Frühstück am Domplatz: Sa., 14. Mai, 9 bis 11.30 Uhr, Domplatz Linz. Bei Schlechtwetter im Frühstückszelt.