„Das Singen soll eine gesunde Herausforderung sein“
Singen, das Spaß macht und beim Publikum für den gewissen „Wow-Effekt“ sorgt. In St. Marien ist es einem spanischen Musiker gelungen, einen richtiggehenden Chorboom auszulösen.
Ausgabe: 09/2017
28.02.2017
- Paul Stütz
Das Interesse am gemeinsamen Singen steigt. Die Wiederentdeckung des Chorsingens, das lange Zeit als langweilig abgestempelt war, ist ein Trend, der nicht zuletzt vom ORF breitenwirksam genutzt wird. Die Fernsehshow „Die große Chance der Chöre“ mit zwei Staffeln in den letzten beiden Jahren bot dem Chorsingen eine beliebte Plattform mit hohen Einschaltquoten. Gerade unter den Jungen schauten überdurchschnittlich viele zu.
Wie das Chorsingen auch im Kleinen boomen kann, zeigt die Pfarre St. Marien, rund 20 Kilometer südlich von Linz. „Ich wollte gezielt in unsere Kirchenchöre investieren“, erzählt Diakon Franz Landerl, der als Pfarrassistent die Geschicke der Pfarre seit vielen Jahren leitet. Landerl bezahlt mit dem Spanier Manel Morales-López einen Berufsmusiker als Leiter der Chöre der 2700-Katholiken-Gemeinde. Morales-López schaffte es innerhalb von zwei Jahren, die Zahl der Sänger/innen im Erwachsenen-Kirchenchor von 16 auf 28 Leute zu erhöhen. Außerdem hat er eine Männerschola sowie den Kinder- und Jugendchor erfolgreich neu gegründet.
Chorsänger Anton Forstner streut Morales-López Rosen: „Er hat ordentlich Temperament.“ Die Auftritte des Chores in der Kirche sollen so angelegt sein, dass „der Funke überspringt“, wie Morales-López sagt. Dafür ist das Repertoire breit angelegt von Gotteslobliedern über gregorianische Choräle bis hin zu Gospelliedern. Beim Sportlergottesdienst darf sogar die Hymne des FC Barcelona, dessen großer Fan Manel Mórales-Lopez ist, erklingen.
In Österreich von der Musik leben. „Die Leute sollen sich nach der Messe besser fühlen als vorher und wir wollen unseren Anteil daran haben. Ich bin immer in das Musikprojekt verliebt, das wir gerade proben“, sagt der Chorleiter, der die Leidenschaft für seinen Beruf förmlich versprüht.
Eine große Musikbegeisterung war auch der Grund, der Heimat Katalonien den Rücken zu kehren. Er war dem Tipp eines alten Benediktinermönches von Montserrat gefolgt, wo er in seiner Kindheit als Sängerknabe im Einsatz war. Der Mönch hatte ihm geraten, sein Glück in Österreich zu versuchen, sollte er einmal von der Musik leben wollen. So fing Morales-López 2002 sein Musikstudium in Wien an. Seit seinem Abschluss arbeitet er mit einer kurzen Unterbrechung in Österreich. Aktuell leitet er neben den Chören von St. Marien den Linzer Kolpingchor und den Chor der Pfarre Stadt Haag in Niederösterreich.
In seiner Arbeit versucht er einen hohen Qualitätsanspruch mit Augenmaß zu verfolgen. Manel Mórales-Lopez weiß, dass seine Sänger/innen nach Schule und Arbeitstag müde sind und nicht auf Knopfdruck Spitzenleistungen bringen: „Das Singen soll eine gesunde Herausforderung sein. Nur Terzen singen kann es nicht sein, wir wollen schon einen gewissen Wow-Effekt beim Publikum und bei uns selbst erzielen. Andererseits soll es bei uns menschlich zugehen und nicht nur die perfekte Leistung im Vordergrund stehen.“ «