Mit wem man zu Tisch sitzt, zu dem gehört man auch. Das Thema Essen steht zwar nicht im Zentrum der Heiligen Schrift, zieht sich aber wie ein roter Faden durch die Bibel.
„Es gibt nichts Besseres für den Menschen unter der Sonne, als zu essen und zu trinken und sich zu freuen.“ So steht es im Buch Kohelet im Ersten Testament. In der biblischen Tradition bilden Essen und Trinken eine grundlegende Erfahrung von Gemeinschaft, meint die Linzer Bibelwissenschaftlerin Dr. Susanne Gillmayr-Bucher. Das Mahl verbindet die Menschen untereinander und in der Form von Opfer- und Dankmählern lässt es auch die Gemeinschaft zwischen Menschen und Gott erfahrbar werden. Gillmayr-Bucher wird kommende Woche in den regionalen diözesanen Bildungshäusern und im Stift Schlägl zu Gast sein, bei „Theologie vor Ort“.
Recht auf Essen. Besonders in der biblischen „Gastfreundschaft“ kommt zum Ausdruck, dass Essen ein Lebensrecht ist. Auch jeder Fremde hat ein Recht auf Essen. Gillmayr-Bucher: „Das Ideal biblischer Texte ist, dass alle Menschen Anteil haben am Ertrag des Landes und sich satt essen können – und das wird auch an Negativ-Beispielen erklärt: die Reichen essen sich voll, die Armen müssen hungern.“ Im Alten Testament ist es erstrebenswert, genug zu haben und es sich gut gehen zu lassen, solange man dabei die sozial Schwächeren nicht übersieht oder gar ausbeutet. Der heutige Aspekt der Gesundheit steht in der Bibel nicht so sehr im Zentrum, vielmehr geht es um die Aufrechterhaltung des Gottesverhältnisses und dazu gehören auch Speisevorschriften. Obwohl diese heute vielen Menschen kaum verstehen, sieht Gillmayr-Bucher Ähnliches auch heute: „Die Werbung suggeriert uns, dass bestimmte Nahrungsmittel zu unserem Glück bzw. zu unserem ,Heil‘ in Form eines langen Lebens, unverzichtbar sind.“