Linz. Dass das Bild des „Guten Hirten“ im Neuen Testament auf Jesus angewandt wurde, habe etwas Überraschendes an sich, zumal Hirten damals in einem ähnlich schlechten Ruf wie etwa die Zöllner standen. Damit sei deutlich geworden: Gott will für alle Menschen das Heil. Das unterstrich der Linzer Theologe, Dr. Ansgar Kreutzer, beim Tag der Berufungspastoral am 27. Oktober im Linzer Priesterseminar. Das Bild von Hirte und Herde hätte auch heute seine Bedeutung. „Herde“ steht gegen die Vereinzelung und rückt ein solidarisches Miteinander in das Zentrum. Wenn das Konzil von Trient (1545–1563) den Guten Hirten als Leitbild für kirchliche Ämter gesehen hat, so hat es dieses als Dienstamt gesehen. Es ging dem Konzil um überschaubare Gemeinden, in denen der Priester seine Gemeinde auch wirklich kennen sollte. Er wurde zur Anwesenheit für seine Gemeinde verpflichtet. Im Zweiten Vatikanischen Konzil wurde das Amt des Hirten noch stärker als Dienstamt betont, und besonders unterstrichen, dass Christus Hirte für alle, nicht nur für eine begrenzte Herde, ist – und dass auch die Kirche selbst für alle da ist. Glaubensvertiefung wird vor allem in einer Öffnung zur Welt und zu den Menschen gesehen.