Eröffnungsabend des sechsteiligen Linzer Bibelkurses.
Ausgabe: 44/2011, Bibel, Eröffnungsabend, Bibelkurs, Kogler, Kemsmünster, Subiaco, Tipp
04.11.2011
- Josef Wallner
Wenn auch die Kirche in der Krise ist, die Bibel hat Saison. Viele Christen erwarten sich viel von diesem Buch. Das war auch in Kremsmünster zu spüren – beim Eröffnungsabend des sechsteiligen Linzer Bibelkurses, der in den kommenden Monaten an elf Orten Oberösterreichs stattfindet.
„Die meisten Katholiken kennen die Bibel auswendig“, sagte Franz Kogler den mehr als 50 Interessenten, die am Nationalfeiertag zum Bibelkurs in das Exerzitienhaus Subiaco (Kremsmünster) gekommen waren. Der Leiter des Linzer Bibelwerks erntete ungläubige Blicke – bis er auf die Buchdeckel seiner Bibel deutete und schmunzelnd erklärte: „Leider nur auswendig, von außen eben.“ Ziel des Bibelabends ist, die Teilnehmer/innen anzuregen, die Bibel aufzuschlagen und sie „inwendig“ werden zu lassen. Um Hilfen und Tipps dafür zu erhalten, sind die Leute zum Kurs gekommen. Sie bringen ganz unterschiedliche Erfahrungen mit. Die eine nimmt das Buch der Bücher häufig zur Hand, seit sie vor zehn Jahren begonnen hat, Wort-Gottes-Feiern zu halten. Eine andere steht ganz am Anfang. Sie ist Mitglied in einem Seelsorgeteam und spürt, dass es da wichtig ist, eine Beziehung zur Bibel zu finden. Der Bogen der Erwartungen ist weit gespannt: vom Kennenlernen geschichtlicher Grundlagen bis zum Erproben von Auslegungsmethoden. Als großer gemeinsamer Nenner kristallisiert sich aber rasch heraus, dass man die Bibel als Hilfe für den Alltag erfahren möchte. Eine Teilnehmerin bringt es auf den Punkt: „Ich erwarte mir frohmachende Lebensimpulse.“
Neue Koordinaten für’s Verstehen. Das liegt ganz auf der Linie des Kurses: die Bibel als Wegweisung für das Leben anzubieten. Doch ganz ohne ein klein wenig Theorie geht es trotzdem nicht. Kogler geht auf das neue, revolutionäre Verständnis der Heiligen Schrift ein, das das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) gebracht hat: Die Bibel ist Gotteswort in Menschenwort, sie ist zu 100 Prozent Gotteswort und gleichzeitig zu 100 Prozent Menschenwort.
Gotteswort im Menschenwort. Das Gotteswort kann es gar nicht chemisch rein geben, jeder Satz der Bibel ist von Menschen geschrieben, die selbst unterschiedliche Glaubenserfahrungen und unterschiedliche Adressaten im Blick hatten. Christen in der Weltmetropole Rom erklärt man die Bedeutung Jesu anders, als Gemeinden im landwirtschaftlich-geprägten Gebiet um Damaskus. Kogler kann aber seinen Zuhörern die Sorge nehmen, dass man Theologie studieren müsste, um die Texte verstehen zu können. Er bittet, niemals aus dem Auge zu verlieren, dass die biblischen Erzählungen Erfahrungen sind, die Menschen in ihrem Leben mit Gott gemacht haben. Daran schließt er die Einladung: „Hört, was ein biblischer Text Euch sagt und gebt ihm die Chance Euer Leben zu verändern.“ An diesen Appell schloss sich gleich die Praxis an. Die Kurs-Gruppe las und meditierte den das Ende des Matthäusevangeliums, das in der Zusage Jesu mündet: „Ich bin bei Euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Diesen Satz sollte sich jeder/jede „mit nach Hause nehmen“. Zum Schluss hatte der Linzer Bibelwerkchef noch einen ganz praktischen Tipp für Einsteiger ins Bibellesen: „Wie beim Zahnbürstel, so soll auch in der Familie jeder seine eigene Bibel haben.“