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Eine Nacht „durchmachen“

Pfarre St. Marien: Gebets- und Bibelnacht vor Allerheiligen feierten 32 Gläubige mit
Ausgabe: 45/2011, St. Marien, Gebetsnacht, Bibelnacht, Allerheiligen, Gläubige, Pfarre
14.11.2011
Was bei einem Ball keine Seltenheit ist, stößt auf ungläubiges Staunen, wenn es die Kirche betrifft: eine Nacht durchzumachen. Dabei haben in der Kirche Nachtwachen vor einem Fest Tradition. Die Pfarre St. Marien griff diese Tradition auf und feierte eine Allerheili-gen-„Vigil“, wie die nächtlichen Gebetsversammlungen im Fachausdruck heißen. Es war ein Angebot der besonderen Art, das Pfarrassistent Diakon Franz Landerl für St. Marien machte: die Zeit vom 31. Oktober abends bis zum Allerheiligen-Hochamt am 1. November miteinander zu verbringen und dabei das gesamte biblische Buch der Offenbarung des Johannes zu hören und das vorgesehene Stundengebet zu beten. 32 Männer und Frauen haben sich auf das Experiment eingelassen und waren beeindruckt. Theologische Einführung. Eröffnet wurde die Vigil mit der Vesper in der Kirche, dann ging es ins Pfarrheim, wo die Teilnehmer/innen der „Wachenacht“ ein Vortrag erwartete. Die Theologin Stefanie Jeller führte in die nicht einfach zu verstehende Offenbarung des Johannes ein. Sie gab Hilfen zum Verständnis der Symbole und Bilder, die dieses „Buch der sieben Siegel“ prägen. Da die vollständige Lesung der Offenbarung den roten Faden bildete, waren die Deutungshilfen ein wichtiges Element der Vigil. Bilder erleben. Um 21 Uhr versammelte sich die Gruppe wieder in der Kirche zum ersten Teil der Vigil: Psalmengesang und Lesungen aus der Johannes-Apokalypse wechselten einander ab. Die Lesungen wurden mit Zeichen betont: Gleich am Anfang trug man ein Schwert in die Mitte und unterstrich so den Beginn der Offenbarung: „In seiner Rechten hielt er sieben Sterne und aus seinem Mund kam ein scharfes zweischneidiges Schwert und sein Gesicht leuchtete wie die machtvoll strahlende Sonne.“ Passend zu den Kapiteln acht bis zehn wurde sieben Mal die Posaune geblasen. Der Drachenkampf in St. Michael. An der entsprechenden Stelle zerschmetterte Diakon Franz Landerl einen Tonkrug, und Lebkuchenherzen sollten jeden Teilnehmer an das Wort Gottes erinnern, das süßer als Honig ist, aber ebenso schwer im Magen liegen kann. In der Offenbarung findet sich auch die Erzählung vom Kampf des Erzengels Michael gegen den Drachen. Diese Passagen wurden in der Filialkirche St. Michael gelesen. Die ganze Pfarre feiert mit. Da die Vigil so angelegt war, dass man jederzeit gehen oder dazukommen konnte, musste niemand Angst haben, sich zu überfordern, und konnte jederzeit pausieren. Zur Laudes gegen 5.30 Uhr beteten 14 Leute mit, nach und nach wurden es aber wieder mehr. Um auch alle, die zum Hochamt gekommen waren, an der Virgil Anteil nehmen zu lassen, gab es im Anschluss an den Gottesdienst Allerheiligenstriezel. Eine Teilnehmerin an der Vigil zieht über die Nacht Bilanz: „Für mich bleibt das ,Buch der sieben Siegel‘ wohl weiter eines mit mehreren Siegeln. So einfach erschließt sich mir die Aussage dieser besonderen Schrift nicht. Das gemeinsame Erleben und Mitfeiern dieses besonderen Nachtfestes war jedoch ein einzigartiges Erlebnis, das mein Leben bereichert hat.“
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