„Nur weil ich ein Kilo Bio-Tomaten kaufe, wird es nicht besser. Ich muss mich auch solidarisieren“, sagt Eva Prenninger. Sie ist Projektleiterin im Verein „weltumspannend arbeiten“ des Österreichischen Gewerkschaftsbundes ÖGB.
Sepp Wall-Strasser, Bildungssekretär des ÖGB OÖ, hat 1996 die Vernetzungs-Initiative „weltumspannend arbeiten“ gegründet. Ziel ist, zu verstehen, wie Arbeitsbedingungen und Konsum bei uns mit der Arbeits- und Lebenswelt anderswo zusammenhängen, und daraus zukunftsweisende Handlungen abzuleiten. Wall-Strasser sieht drei Schritte: sich informieren, Betroffene unterstützen und sich für bessere politische Bedingungen engagieren.
Tomaten immer und überall. Eva Prenninger besuchte heuer im Mai mit einer „weltumspannend arbeiten“-Gruppe die Obst- und Gemüse-Plantagen in Almeria, Südspanien. Sie sah die Armut und die katastrophalen Arbeitsbedingungen der Landarbeiter, von denen viele illegal aus Afrika nach Spanien kommen. Josef etwa kam aus Marokko. Er hat es, unter einen LKW gebunden, bis Spanien geschafft. Die Hoffnung, Geld für ihre Familien zu verdienen, lässt sie viel riskieren und setzt sie einer gierigen, arbeitsrechtliche Standards ignorierenden Wirtschaft aus. Saisonal gibt es nicht. Tomaten und Gurken sind ganzjährig bei uns zu kaufen, herangereift zum Beispiel unter den 400 Quadratkilometern mit Plastik abgedeckten Plantagen in Almeria, geerntet von modernen Lohnsklaven.
Die Ohnmacht überwinden. Was aber ist die Konsequenz dieser Beklemmung über die moderne Sklaverei und die Weltwirtschafts-Logik, die zudem die heimische Landwirtschaft in einen ruinösen Wettkampf treiben? Denn heimisches Obst und Gemüse – es reift unter viel besseren Arbeits- und Umwelt-Standards – kostet oft mehr und ist zudem an eine Saison gebunden. Wäre nicht die Folge, solch südspanisches Gemüse nicht zu kaufen, dass die Landarbeiter dort noch weniger verdienen? „Viele spüren eine Ohnmacht“, sagt auch Eva Prenninger. Vor allem, so gibt sie zu bedenken, müssen bei uns viele mit wenig Geld im Monat auskommen. Alleinerziehende zum Beispiel, die kaum mehr als 900 Euro zur Verfügung haben, brauchen billige Einkaufsmöglichkeiten.
Über den Einkaufskorb hinaus. Die Antwort auf die globalen Zusammenhänge von Arbeit und Konsum geht weit über die Politik mit dem Einkaufskorb hinaus. Zunächst gilt es natürlich, regional, saisonal, fairtrade und bio zu kaufen. Aber genauso wichtig ist es, Vereinigungen zu unterstützen, die sich für die Interessen der Landarbeiter einsetzen. „Würde es die Gewerkschaft SOC in Südspanien nicht geben, wären die Arbeiter dort ziemlich aufgeschmissen“, sagt Prenninger. Damit sich etwas ändern kann, sind Prenninger und Wall-Strasser überzeugt, braucht es Information. Dafür engagiert sich „weltumspannend arbeiten“. Angeboten werden Seminare und Info-Veranstaltungen, außerdem Materialien wie die DVD „Der Preis für unser Gemüse“. Der Film zeigt Migration, Ausbeutung und Landwirtschaft in Almeria, aufgenommen beim Lokalaugenschein heuer im Mai (Länge knapp 13 Minuten, Kosten: 7,– Euro). Im März 2012 wird eine Betriebsrats-Gruppe nach China reisen und dort Produktionsstätten österreichischer Firmen besuchen.
www.weltumspannend-arbeiten.at