Beim Betrachten von Bildern und Videos mache ich gerne Zeitreisen. Am liebsten lande ich bei Familienurlauben und bei alten Aufnahmen, die sich um meine Kinder drehen. Kaum zu glauben, wie lange das alles her ist: das Laternenfest im Kindergarten, die ersten Versuche auf den Schiern, die Erstkommunion, die Debütantenbälle ... Und ich ertappe mich immer öfter dabei, diese schönen Momente noch einmal erleben zu wollen – das muss wohl eine Alterserscheinung sein. Oder liegt es daran, dass meine Kinder langsam, aber sicher das Nest verlassen? Im letzten Jahr habe ich mich gerade daran gewöhnt, die in Wien studierende Tochter nur noch an Wochenenden zu sehen. Nun hebt sie ab nach London, um dort ganze sechs Monate ein Praktikum zu absolvieren! „London, ich komme auch!“ ruft mein Herz. Nur zwischendurch, ein paar Tage, ich kann nicht anders. Für meinen persönlichen Ausgleich stelle ich dem Sohn nun noch mehr mütterliche Aufmerksamkeit in Aussicht. Eine Ankündigung, die der 18-Jährige mit einer Mischung aus Skepsis und Ironie aufnimmt. Die Signale sind eindeutig: Ich muss jetzt loslassen. Aus einem „Verantwortlich-Sein“ wird ein „Begleiten“. Daran muss ich mich noch gewöhnen.